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Mittwoch, 11. Juli 2012

calling me home

And I'm not sleeping now, the dark is too hard to beat  
And I'm not keeping now, the strength I need to push me
You show the lights that stop me turn to stone  
You shine it when I'm alone  
And so I tell myself that I'll be strong  
And dreaming when they're gone
'Cause they're calling, calling, calling me home 
Calling, calling, calling home

(Ellie Goulding - Lights)
irgendwie bilde ich mir ein, ich hätte alles im griff und wäre dabei, ein neues leben zu beginnen. eins, ohne depression, angst, soziale phobie, drogen und essstörung. in diesem moment scheinen alle erfolge vergessen zu sein. alles, was ich erreicht hatte ist zunichte gemacht worden von mir selbst. ich bin wieder in dem strudel gefangen: hungern, kiffen, essen, fressen, kotzen, kiffen, fressen, kotzen... und so weiter, jeden tag aufs neue. 
so geht es eben mit vorsätzen. zu beginn ist man fest davon überzeugt, alles zu schaffen, was man sich vornimmt, doch meist schon nach kurzer zeit sind die ersten glücksmomente vergessen und die vergangenheit, die gewohheit überrolt einen ohne vorwarnung.

dabei wollte ich alles besser machen, nicht bloß für den moment, sondern für die zukunft.
aber es ist so schwer, wenn man am liebsten nur die bulimie gehen lassen möchte und die magersucht fest an sich bindet, keinen zentimeter luft dazwischen lässt.

die sache mit dem zunehmen klappt nicht gut. körperlich gesehen schon, denn langsam pendelt sich alles wieder ein: meine organe arbeiten wieder vorschrifstmäßig, die nebenwirkungen des gewichtsverlustes lassen nach. doch vom kopf her ändert sich nicht viel, im grunde genommen gar nichts. ich sehe die lücke zwischen meinen beinen verschwinden, will um jeden millimeter kämpfen, will jeden knochen am liebsten aus dem fett und der haut befreien, um sie bei mir zu halten.

und auch, wenn ich es vielleicht noch immer nicht bin, ich fühle mich fett. fetter, als jemals zuvor.


DIY Nail Art!

vielleicht kennen einige von euch diese strips: eigentlich sind sie dazu da, wunden zu kleben. ich habe mich heute davon verabschiedet und mich dazu entschlossen, dass ich sie nun nicht mehr brauche. 
zum nägel machen sind sie übrigens bestens geeignet!




Montag, 30. April 2012

I'm trying to get on

mach dir keine hoffnungen, mach dir keine hoffnungen, mach dir keine hoffnungen!
dafür ist es längst schon zu spät. abends, wenn ich in meinem bett liege, denke ich an dich. morgens, wenn ich aufwache und bemerke, dass du mir nachts noch geschrieben hast, vermutlich völlig voll und drauf, setzt meine atmung kurz aus. alle funktionen meines körper halten an, um dann in doppelter geschwindigkeit weiter zu rasen. 
es spricht so vieles dagegen und viel zu wenig dafür. 
er ist vergeben, war crystal meth abhängig und nimmt weiterhin harte drogen. 
er interessiert sich nicht für mich. 
und doch überlegt er, heute abend aufzutauchen. wegen mir. denn sonst wird er wahrscheinlich niemanden kennen.

es ist alles gar nicht so schrecklich, wie ich dachte. ich glaube, irgendwann kommt für jeden von uns eine erleuchtung. keine heilung, nein, davon spreche ich nicht. bloß eine art gesundheitsschub, ein bisschen verstand. kein sinn, aber doch irgendein antrieb. 
irgendwann bin ich morgens aufgewacht und alles war ein kleines bisschen besser. die tage waren heller, die temperaturen höher, die kleidung kürzer, dünner. es fällt mir nicht leicht. viel mehr ist es eine riesige überwindung, jedes mal aufs neue. menschen stellen einfach eine gefahr für mich da. eine angstquelle. 
durchs kiffen habe ich eine (schwache) soziale phobie entwickelt, glaube ich. räume mit vielen menschen meide ich, weil ich das gefühl habe, dass jeder mich beobachtet. ich traue mich nicht mehr, mich im unterricht zu melden und jeder einzelne beitrag ist eine sensation. und das gerade jetzt, wo es auf jeden punkt drauf ankommt, wo mein abi in naher ferne und doch so unendlicher weite erscheint.

manchmal, da glaube ich, dass mein denkverhalten von dem aller anderen abweicht. anstatt direkt zu fühlen, zu denken, passiert das bei mir immer erst im nachhinein. ich analysiere mich selbst, unbewusst. und plötzlich: der gedankenblitz, der ansatzpunkt, die lösung.
ich weiß nicht, aber das alles ist irgendwie ziemlich schlecht in worte zu fassen und ich glaube kaum, dass jemand das alles hier, mich versteht.

bulimisch bin ich weiterhin. unverändert und mit durchschnittlich drei FA's pro tag.





tscheeny? ich wiege mich zurzeit gar nicht. ich habe regelrechte angst vor der zahl auf der waage. aber ich schätze, es sind zwischen 56kg und 57kg im moment.


und für alle, die irgendwann einmal vorhaben, sich ihre haare rot zu färben: tut es nicht. rot geht fast nicht mehr raus, auch nach einer friseurbehandlung für 150€, sind immer noch farbpigmente in meinen haaren zu sehen. irgendwann sehen eure haare dann vermutlich so aus:


Montag, 19. März 2012

oh my mind

ich bin dünn, aber nicht zu dünn.
ich halte mein gewicht auf einem punkt, der für meinen körper zwangsläufig über längeren zeitraum gesehen, schädlich ist. ich verweigere ihm nicht nur die nahrung, sondern ich provoziere ihn auch noch, indem ich alles, was ich finde in mich stopfe, bloß um es dann, leise grinsend wieder los zu werden. das flüstern von mia im ohr.
ich kann vergessen zu essen, aber ich vergesse nicht, dass ich bulimisch bin. ich vergesse es bloß so lange, bis ich über die türschwelle trete und die sicherheit meines hauses mich umschmeichelt. hier ist es egal, wie viel ich vernichte, wie oft ich breche, wie angeschwollen meine speicheldrüsen sind. 
es ist bloß bulimie.

sommer 2011. 54kilo. ich will zurück zu diesem paradiesischen ort.

ich denke viel nach in letzter zeit, besonders, wenn ich breit bin. dann rasen die gedanken so schnell, dass ich sie nicht in worte fassen kann.
rückblick: meine mutter steht vor mir, tränen in den augen, schmerz im blick. 
"wenn du wirklich gehen willst, kann ich daran nichts ändern. ich bin für dich da, wann immer du mich brauchst, aber wenn du nicht mit mir redest, kann ich dir nicht helfen."
jahre zuvor findet diese szene statt. es geht nicht ums essen, nicht um die bulimie und auch nicht um die magersucht. damals ging es um die depressionen, die todeswünsche und todesflüche. der stille versuch, diese welt zu verlassen. 
sie hat akzeptiert, dass sie mir nicht helfen kann, solange ich nicht bereit dazu bin, solange ich sie nicht um diese hilfe bitte. sie hat mich nie losgelassen, sie hat sich nur von mir distanziert, weil ich in die falsche richtung gelaufen bin.
rückwärts statt vorwärts.

Sonntag, 18. März 2012

wenn man ist, wie ich, wenn man ist, wer ich bin, lohnt es nicht, sich um einen sinnvolleren post zu bemühen. wenn es bloß noch darum geht, wie viel geld für den nächsten kick übrig ist oder wie viel zeit für die nächste orgie bleibt.
aus mehr besteht mein leben nicht. 
alles, was zählt, ist die sucht zu befriedigen, den drang zu stillen.
und irgendwo, bin ich auf der strecke geblieben.

danke für eure lieben kommentare, und einen besonderen dank an emaschi. ihr seid die besten leser, die man sich wünschen kann, aber ich kann euch im moment nicht das geben, was ihr verdient. es passiert zu viel und gleichzeitig zu wenig, als dass ich es in worte fassen könnte. entschuldigt bitte.

Samstag, 17. März 2012

liberté toujours

"was glaubst du denn, warum ich die 12 wiederhole...!?"
"und jetzt? bist du wieder gesund?
"nein, gesund nicht, aber ich kann so leben. es geht halt irgendwie."
"hm."


55kilo. nicht schön, aber annehmbar.

"es war das letzte mal, dass ich hier putze. ich kann jeden tag die toilette schrubben und eigentlich auch alles drumherum. das nächste mal, machst DU das!"
danke, mama. spaß macht mir das alles auch nicht. und freiwillig tue ich es erst recht nicht.

Montag, 12. März 2012

olé olé



klausurphase, olé olé.
anstatt zu lernen oder meine facharbeit zu vollenden, kiff ich mir lieber das hirn weg, schwänze, fresse und kotze und fresse weiter.

tip top. alles in butter.
ich nimm aber auch öl oder margarine, wenn butter knapp wird.
ich hasse mich, ich hasse mein leben, ich hasse es morgens aufzustehen.
da läuft ja alles wieder einmal rund.
wenn man die ecken abschneidet, ist übrigens alles rund.

Montag, 5. März 2012

'cause lately I've been craving more

ich glaube, es wäre von vorteil, wenn ich wieder medikamente bekäme. der immer währende tagelange drogenentzug und drogenexzess zehrt an meinen nerven. die ewigen, stundenlangen fress- und brechorgien zehren an meiner physischen verfassung und irgendwie wiege ich gar nicht so viel, wie ich vermutet hatte. irgendwie hat mich die zahl auf der waage geschockt, weil ich dachte, es wäre so viel mehr, so viel näher an der sechzig. dabei bewege ich mich eher abwärts, als aufwärts. 
merkwürdige angelegenheit, dieses gewicht.


"traust du dir das alleine zu?"
"nein. aber mir bleibt ja nichts anderes übrig."
"gut, find ich toll von dir!"
nein, ich will mich nicht alleine vor einen kurs von neunmalklugen dummschwätzern stellen, die alle glauben, sie hätten so viel ahnung von der welt und ich will auch nicht die erwartungen derer enttäuschen, die denken, ich wäre das 'brain'. und wer weiß, vielleicht bin ich es und der einzige fehler liegt darin, dass ich es mir selbst nicht zutraue, weil ich sowieso nichts kann. rein gar nichts.

und während alles um mich herum zerbricht, während ich mich mit jedem streite und während ich alleine einer aufgabe zugeteilt werde, die eigentlich von zweien erfüllt werden soll, merke ich, dass ich langsam an mir selbst zerbreche. tränen steigen mir in die augen. bittere tränen, die ihren weg niemals nach draußen finden, egal, wie sehr ich es versuche, egal, wie sehr ich es will. 

jetzt warte ich bloß alleine in meinem viel zu großen bett darauf, dass der tag irgendwann endet, dass die wirkung der dulco's einsetzt, dass mein körper sich von innen auffrisst, dass die gedanken zurückkehren und gleichzeitig niemals wieder kommen.


die letzte nacht war nicht erholsam, sie war nicht ruhig und sie war nicht angenehm. die angst packt mich und setzt sich in jeder zelle meines körpers fest. sie lässt mich erstarren und gleichzeitig innerlich zittern.
ich weiß nicht, wann ich das letzte mal umarmt wurde. ich meine richtig umarmt. nicht bloß diese "hallo-umarmung". ich weiß nicht, wann ich das letzte mal mit jemandem geredet habe. ich meine richtig geredet. nicht bloß dieses "wie-geht's-dir?-gut". ich sehne mich so sehr nach ein stückchen liebe, ein stückchen sonne, freude, glück. irgendetwas. 
"du erweckst den eindruck der kalten schönheit. du würdest es nicht einmal zulassen, dass dich jemand liebt, geschweige denn, dass du jemanden lieben könntest." 
manchmal hat diese fremde, die glaubt mich zu kennen, viel zu recht.

und in diese trauer, ruft ein bekannter, in letzter zeit immer öfter mein dealer, an und fragt, ob ich nicht vorbei kommen will und einen mit ihm rauche. zu schön, viel zu schön ist diese vorstellung.
ich weiß nicht, wie ich mich entscheiden werde und eigentlich ist mir der triumph über die bulimie sehr wichtig. thc würde mir diesen mit sicherheit wieder zunichte machen.

Sonntag, 4. März 2012

come on skinny love, what happened here?

seit mittwoch kann ich keinen klaren gedanken mehr fassen, keine entscheidung mehr überdenken. ich ignoriere die welt, sperre sie einfach aus und schließe die tür hinter mir. ich warte darauf, dass sie sich verändert, irgendwie besser wird und ich es eines tages bemerke, hinausschreite und vielleicht glücklich bin.
seit tagen laufe ich vor jeder verantwortung weg, schwänze die schule, erledige keine hausaufgaben und schon gar nichts für meine facharbeit, die ich am 12. abgeben muss. alles, wovon ich mich nähre, ist der rausch, der mich überwältigt. ich inhaliere und inhaliere, nehme alles in mich auf, was mich zerstören könnte. jeder tag weicht einer einzigen, riesigen fressattacke, der ich durch unzähliges erbrechen entgegenwirke. vier, fünf, sechs mal. ich weiß es nicht, ich kann mich bloß schwach daran erinnern, nehme alles wahr, wie in einem traum.
und immer wieder dieser gedanke: "das kann es nicht sein. das kann nicht alles sein, was zählt." 
das, was ich führe, ist nicht mehr leben zu nennen. es ist vor sich hinvegetieren, existieren. mehr nicht. 
meine hände sind so kalt, mein herz ist so leer.




systematisches ausgrenzen. das ist es, was sie mit mir tut. psychisches mobbing. ausschließen. 
"an dieses mädchen will ich keinen gedanken mehr verschwenden!"
"du hast dich total verändert und ich glaube, es liegt an ihr!" - an ihr = an mir.
aber es ist okay, es ist in ordnung. daraus resultiert doch nur noch mehr verzweiflung, noch mehr einsamkeit in dieser stadt, diesem haus voller menschen, die mir rein gar nichts bedeuten.

wenn ich versuche mein verhalten zu reflektieren, zu überdenken, zu analysieren, komme ich zu dem punkt, dass ich vor allem und jedem flüchte. ich habe angst. so unendlich große angst vor dem leben, vor der verantwortung, vor den aufgaben. jeden morgen verzweifle ich an der frage, wie es weitergeht, was mir die zukunft bringt, ob es sie überhaupt gibt. und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es jeden abend und jede nacht auf ein neues versuchen würde, alles zu beenden. aber ich kann es nicht, ich schaffe es nicht, weil ich nicht die mittel dazu habe und selbst wenn ich sie hätte, bezweifle ich, dass ich den mut dazu hätte. 
leben ist so unglaublich schwer - aber sterben ist noch viel schwerer.
was, wenn es nicht klappen würde? was dann? wieder intensivstation, wieder geschlossene, wieder klinik, wieder die 12. klasse abgebrochen, wieder nichts verändert, wieder nichts erreicht. was bleibt mir dann? abendschule? abgeschlossene 11. klasse? 


ich will doch einfach nur weg von hier, weg von mir. weglaufen, flüchten. ja. mehr kann ich nicht.

Mittwoch, 29. Februar 2012

nach der dritten fressorgie am heutige tage herrscht ausnahmezustand in meinem kopf und in meinem körper.
ich kann einfach nicht mehr! nicht bloß psychisch, sondern nun auch physisch. bin mehr oder weniger vor der toilette zusmmengebrochen, musste alle mir bekannten tricks anwenden, um wenigstens den großteil wieder hochzuwürgen. jeden. bissen. einzeln.
mir tut alles weh. mein ganzer körper scheint sich in ein nichts und gleichzeitig in ein ganzes zu verwandeln.
will nur im bett liegen, nie mehr aufstehen müssen, nie mehr meine augen auf hurrelmann, integralrechnung, mario der zauberer, molekulargenetik, organische chemie, die gottesfrage oder rassimus der 50er in den usa richten müssen.
es ist alles viel zu viel zu viel zu viel zu viel zu viel.
vor allem ich selbst.

ich würde jetzt gerne weinen. meinen gefühlen einfach mal ausdruck verleihen. aber diese verdammten tränen bleiben wo sie sind, auf dem grund der dunklen wahrheiten.

"sich aufdrängende suizidgedanken" nennt man sowas dann wohl.

Dienstag, 28. Februar 2012

as long as she sees the end in sight


um vier uhr, nach der schule, ist der erste gang der, zum kühlschrank. eine neue anderthalb liter flasche cola light wartet bereits auf mich. obwohl mein plan von mir verlangt, etwas für die schule zu tun, hausaufgaben, sport zu machen, meine facharbeit endlich weiterzuschreiben, verbringe ich meine zeit bloß planlos hier vor dem pc, eingehüllt in meine bettdecke, damit das zittern endlich aufhört. ich drücke mich vor der verantwortung, fühle mich nicht dazu in der lage, auch nur irgendetwas produktives anzufangen. vermutlich warte ich, bis zur allerletzten sekunde, um die erwarteten leistungen zu bringen.



meine stimmung wird immer gereizter. ich schreie beinahe grundlos, werfe meiner familie dinge vor, die eigentlich kein einziges wort wert wären.
am essenstisch überlege ich noch, ob ich eine FA starten will, sollte, muss. aber irgendwie bleibt mein blick gesenkt, ich schaue niemandem in die augen, sage nichts. da ist wieder dieser milchige schleier, der alles um mich herum irgendwie dämpft, verschwimmen lässt. dann eskaliert die situation. ich schütte den salat von meinem teller zurück in die schale, greife nach dem knäckebrot mit einer halben scheibe kochschinken und gurke, verlasse fluchtartig den raum. nur mit mühe gelingt es mir, die tür nicht hinter mir zuzuknallen.
60kcal, dabei bleibt es dann wohl heute. der appetit auf fressen und kotzen ist mir glücklicherweise vergangen.


jetzt schmerzt mein magen. mir ist schlecht. meine stimmung ist ziemlich weit unten, nicht am nullpunkt angelangt, aber auch nicht mehr weit davon entfernt. bloß ein paar kräftige schritte. und der kalorienmangel trägt nicht gerade dazu bei, mich aus diesem immer tiefer werdenden loch, das mich verschlingt, zu befreien.


55,0

EDIT: als bulimikerin darf man nie, hört ihr, nie sagen, dass einem der appetit vergangen ist. ich schließe die tür hinter mir ab und lasse mich auf die geschlossene toilette fallen, während ich die letzten bisse verschlinge, nur um sie dann gewaltsam aufzureißen und mich darin zu entleeren (21:11Uhr)

Sonntag, 26. Februar 2012

mehr als erlaubt


 und weil ich mir selbst außer knäckebrot und salat nichts anderes mehr erlaube, wird, sobald meine mutter im bett ist, eine FA folgen, um die halbe birne auch wieder loszuwerden. meine mächtigkeit macht mich wirklich fertig.
ich bin überdimensional, überschüssig, überflüssig.
ich habe das gefühl, ich werde immer mehr. okay, nach der gestrigen nacht kann ich das auch mit sicherheit sagen. was soll's. ich würde ja sagen, "es war es wert". nachdem ich sogar meine taburegel nr 1, nämlich nur zu hause zu brechen, gebrochen habe, ist mir alles andere auch egal.

cheers.
ich habe noch nie in meinem ganzen leben einen so unförmigen menschen, wie mich gesehen.
ich glaube, ich habe es noch nie erwähnt, aber die dinge, die ich an meinem körper am meisten verachte, hasse, sind meine schultern/mein kreuz und meine hände. haha, da wird abnehmen sicherlich viel bringen.



ab morgen dann wohl so gut es geht fasten. ich freue mich, auf das gefühl, den boden unter den füßen zu verlieren, den blinkenden, schwarzen punkten vor meinen augen, das herzklopfen in meinen ohren, den schwindel, der mich wanken lässt, das ratternde herz, welches nicht hinterherkommt.

tut mir leid, für diesen äußerst unnötigen und wehleidigen post. denken fällt nach drei gramm auch nicht mehr so leicht..

Freitag, 24. Februar 2012

zu viel gefühl

es ist nicht einfach zu laufen, zu essen, zu atmen, zu schreiben. und trotzdem habe ich mir thc in die adern gepumpt und eine nette fressorgie samt erbrechen hinter mir. 
während ich noch dabei bin, toast in mich hinneinzustopfen, wird mir schon schlecht und mein magen fängt an zu schmerzen. 
ach scheiß drauf. beschissener tag mit viel zu vielen emotionen und beinahe tränen vor erschöpfung. psychischer erschöpfung. meine facharbeit darf ich dann wohl nochmal halb umschreiben. 
ich weiß nicht, wie ich das alles hier schaffen soll. ich will doch bloß im bett liegen und nichts tun.. nie, nie wieder.





photos sind von heute mittag.
jetzt will mich garantiert keiner mehr sehen.

56,4

Donnerstag, 23. Februar 2012

save me from life

 ich zweifle manchmal an dem, was ich tue, doch es sind leise zweifel, die leicht überhört werden, wenn man sie nicht beachtet, ihnen keinen glauben schenkt. anas stimme ist lauter, lauter, als meine eigenen gedanken, lauter als die zweifel von bekannten, die bemerkungen, die kommentare. sie sind vereinzelt, genauso, wie meine eigenen zweifel. deswegen gewinnt die krankheit jedes mal aufs neue, bei jedem einzelnen bissen gewinnt sie, zieht mich hinab in die dunklen tiefen, auf den grund der realität. 
nein, nicht der realität, meiner realität. der realität in meinem kopf. die tiefsten gedanken, die unausgesprochensten worte. sie führt mich an einen ort, an dem ich selber nie war. sie entblößt mich und stellt mich zur schau, bis alle stimmen zu einem chor anschwillen, bis sie einen pakt geschlossen haben - gegen mich, gegen das, was von mir übrig ist. 


ich liebe diese ruhigen minuten, wenn die stadt so nah und doch so fern erscheint, wenn alles um mich herum in dunkles schwarz gehüllt ist und die lichter der stadt aufblinken und mir zeigen, dass es menschen gibt, die leben
diese minuten voller ruhe. ich weiß, dass es diese menschen gibt dort draußen. aber sie sind so fern, sie sind so weit weg in diesem augenblick, eingehüllt in die decke der nacht. geschützt, gewärmt, gehalten.
es sind diese momente, die man schlecht in worte fassen kann, egal wie viele metaphern man verwendet. es ist eine art von frieden, die mich durchströmt. und gleichzeitig, ist es der schlimmste krieg, den man sich vorstellen kann.



ich hasse jede minute, die ich mit ihr in einem raum verbringen muss, ich hasse das, was aus uns geworden ist. irgendwann vor geraumer zeit, waren wir einmal so etwas, wie beste freunde. vor einem jahr noch, habe ich nicht ein einziges mal geglaubt, dass es so sein wird. aber es ist so. 
ich kann nicht sagen, dass ich sie hasse, denn das tue ich nicht. im grunde genommen empfinde ich gar nichts mehr für sie. das, was ich hasse ist, was sie mit mir anstellt, was ihre worte in mir anrichten. 
ich bin der arsch für alles. und natürlich fahre ich alle nach hause und natürlich glaubt sie, dass ich nicht höre, was sie auf der rückbank von sich gibt und natürlich bekomme ich ein abschätziges "merci beaucoup" von ihr zu hören, als ich vor ihrem haus halte. 
ich fange bereits lange, bevor ich zu hause ankomme, an, auf meine wangen zu beißen. 
noch vor kurzem hätte dieses erlebnis in einem akt des fressens und kotzens geendet. heute esse ich bloß noch weniger, als sonst, lasse die hälfte der geplanten kalorien weg. weil ich es nicht kann zu diesem zeitpunkt und, weil ich es nicht will.
verschwinden will ich. mehr nicht.


meine stimme wird wieder leiser, monotoner, meine emotionen bleiben aus. ich glaube, ich falle zurück. und ich würde mich so sehr freuen, wenn die depression mich endlich wieder glücklich in ihre arme schließt.
es ist so kalt in mir, so leer, so tief.

57,0

Mittwoch, 22. Februar 2012

disconnected from reality

das gefühl was in mir lauert ist seltsam, irgendwie schlecht zu beschreiben. 
obwohl ich zugenommen habe, viel zugenommen habe, fünf kilo zugenommen habe, bemerkt es trotzdem niemand. es war ein kampf, jeden einzelnen tag. gegen die bulimie, gegen die bösen, dunklen gedanken. es war nicht so einfach, wie es vielleicht gewirkt hat. die kalorien sind nicht von selbst in mich geschlüpft und es hat kraft beansprucht, nicht jedes mal aufs neue alles in die toilette zu befördern, sondern wneigstens einen teil in mir zu behalten. 
und du willst bulimikerin sein? du meinst, du hast eine essstörung? du schaffst es nicht einmal, alles wieder loszuwerden. diagnose magersucht, pah, dass ich nicht lache.
es sind diese zeilen, die jedes mal in meinem kopf tönen, die mich begleiten. 



 "ich habe nur noch drei hosen, die mir passen."
"warum? sind die anderen zu groß?"
"nein... zu klein."

und ich spreche nichts, als die wahrheit aus. meine jeans passen mir wirklich nicht mehr. weder size zero, noch 24 oder 170. und im grunde genommen sollte ich darüber froh sein. ich sollte stolz auf mich sein. aber wie kann ich auf etwas so widerwärtiges, wie fett, wie kilos, stolz sein? wie soll das gehen? alles, was mir bleibt, sind nachteile. ich fühle mich unwohl, meine klamotten passen nicht mehr, mein magen äußert öfters, als mir lieb ist, dass er gerne einen inhalt hätte. 
ich fühle mich bloß widerwärtig, mag den blick in den spiegel am liebsten vermeiden.


ich lüge und betrüge. nicht bloß mein umfeld. es sind nicht bloß die schalen, die ich mit milch verschmutze oder die brettchen, auf die ich nutella schmiere, bloß, damit es aussieht, als hätte ich etwas gegessen.
viel schlimmer ist der selbstbetrug. ein satz, der mir in den letzten monaten oft durch den kopf und über die lippen kam: "ich habe keine magersucht. ich habe bloß bulimie." und es stimmt, mein bmi liegt nicht mehr unter 17,5, ich bin nicht einmal mehr untergewichtig! aber die eigentliche krankheit, die durch die bulimie verschleiert und von ihr verdeckt wurde, ist magersucht. die sucht nach dem dünnen, dem perfekten körper. gestern abend, als ich im bett lag, selbst nach unzähligen kassetten nicht schlafen konnte, obwohl meine augen bleischwer waren, fasste ich den entschluss, heute müsli zu essen, anstatt salat und knäckebrot. doch nachdem ich bei der tochter meiner ehemaligen therapeutin zwei cappucino getrunken habe, fühle ich micht nicht mehr genug wert, als dass ich auch noch müsli in mich schaufeln könnte. ich habe angst, von zwei tassen cappucino und einer schale müsli zuzunehmen, ich habe angst, morgen meinen erfolg zerstört zu haben. 800g an einem tag hört sich doch gut an. 800g sind fast ein ganzes kilo. selbst wenn es nur wasser war, meinen selbsthass hat es ein wenig gemildert.











scheiße, was mache ich hier? 
wenigstens habe ich genug, für eine tüte vor dem schlafen gehen. vielleicht bleibt mir dann die traumwelt nicht verwehrt und vielleicht schwitze ich mich dann auch nicht halbtot, so wie letzte nacht.

57,5

Dienstag, 21. Februar 2012

das hier ist der wendepunkt, der alles um mich ändert und was sonst geschieht, bemerk' ich nicht einmal.


ich glaube, es ist viel einfacher, die dinge von oben zu betrachten, anstatt richtig in die marterie einzutauchen. ich blende die bulimie einfach aus, denke nicht darüber nach, ob ich einen fressanfall starten will - denn ich darf es nicht. stattdessen setze ich mich mit meiner familie an einen tisch und achte ganz gepflegt auf meine essmanieren, auf pausen, zähle trinkschlücke, zähle kalorien.
ich habe mich heute gegen meine alten veraltensmuster gewehrt: kein joint, kein fressen und brechen, stattdessen stundenlanges schreiben, recherchieren und suchen, um meine facharbeit zu erweitern. 
irgendwann, am anfang meiner essstörung, ging es mir mal um kontrolle. ich wollte, nein ich musste die kontrolle wenigstens über mein essverhalten erlangen, wenn ich sie schon nicht über meine emotionen, meine gedanken und mein verhalten hatte. was davon übrig geblieben ist, ist bloß der absolute verlust von jeglicher kontrolle. zu irgendeinem zeitpunkt habe ich der bulimie das ruder in die hand gedrückt und gehofft, dass sie mich sicher durch das unwetter bringt, dass sie die wellen abwehrt und mich zum ufer gelangen lässt. doch was ich nicht eingerechnet habe, ist der eigene wille, die zerstörungskraft dieser krankheit. während ich nur leblos, kraftlos, auf dem boden meines bereits sinkenden schiffes saß, habe ich darauf vertraut, dass alles gut wird und ich am ende eines jeden tages ruhig und sicher mein bett erreiche, mein seelenheil.


 jetzt sitze ich hier, mit fetten kilos auf den hüften, die ich schon längst runter hatte, mit entleertem darm und mit knapp 400kcal im magen und würde mir am liebsten die ganze hand in den mund stecken, die haare ausreißen, die fäuste ballen und gegen die wand schlagen, die rasierklinge auspacken und ansetzen. ziehen. 
aber ich will doch weiter kommen. nicht unbedingt im leben, zumindestens aber auf der waage.

und dafür brauche ich ganz sicher keinen therapeuten, der mich nur behandelt, wenn ich es geschafft habe, die sache mit den drogen sein zu lassen, anstatt mir zu helfen, diesen weg zu gehen.

58,3

Montag, 20. Februar 2012

take a chance


vermutlich bin ich bloß etwas eingerostet, vom weg abgekommen und stehen geblieben, weil ich keinen ausweg finden konnte. ich habe mein ziel aus den augen verloren, vielleicht habe ich meinen blick auch mit absicht auf den boden gerichtet, um alles um mich herum auszublenden.
es gab keine andere option, als essen und brechen, bloß den weg über die toilette.
in meinem kpf ist die bulimie fest verankert. ich mache keinen sport mehr, treffe keine neuen menschen, probiere keine neuen aktivitäten aus. ich habe mich selbst isoliert, zusammen mit der bulimie. nur wir beide, hand in hand. sie ist mein lebensinhalt, meine kraftquelle, meine entschuldigung, meine abwechslung. sie hat alles ersetzt, jeden fremdkörper ausgelöscht und seinen platz eingenommen. alles dreht sich bloß darum, wann ich den nächsten fressanfall austragen kann, wie viel essen im haus ist, wer mich hören könnte, wen ich damit verärgere, verzweifeln lasse oder auch enttäusche.

aber so muss es nicht sein. ich konnte es früher, essen, planen, kalorien verbrennen. abnehmen.
ich möchte einen neuanfang wagen, vielleicht einen alternativen tagesrythmus finden. denn abnehmen, dünn werden, ist auch ohne krankheit möglich. dazu muss ich mich bloß ein wenig anstrengen.

Sonntag, 19. Februar 2012

i can't let go of this dream

manchmal, da kommt in mir die frage auf, ob das alles hier so passieren musste, ob es vorbestimmt war, ob es schicksal ist. 
eine krankheit ablegen, bekämpfen und besiegen, und in die nächste rutschen, mit den armen wedelnd, bis die kräfte nachlassen und man irgendwann bloß noch stumm und leise dort steht, in dem sumpf der emotionen und probleme. unbewegt. unbelebt. 
die alten lieder bringen auch die alten emotionen wieder. der druck steigt. früher hat es doch auch immer so funktioniert: musik an, realität aus, ein nie endender roter fluss aus herzkotze, seelenschrott.
doch darüber bin ich hinweg, ich habe dazugelernt. nein, ich hätte dazu lernen sollen, denn anstatt mir die arme aufzuschlitzen und in dunkelheit auf meinen eigenen, am besten noch schmerzlosen, tod zu warten, ätze ich mir lieber die speiseröhre mit magensäure weg, weite meinen magen, raube mir hunger- und sättigungsgefühl, zerstöre meine hirnsynapsen, verteere meine lunge. mit dem ziel, mir den atem zu rauben.


 eigentlich bin ich ziemlich harmlos. kurz bevor es ernst wird, kneife ich. jedes mal. suizidversuche, ungefährliches untergewicht, schnittwunden, die geklebt, statt genäht werden müssen. ich errege aufmerksamkeit, jedes mal auf neue, durch jede feige aktion. doch zu ende bringe ich nichts. sobald ich merke, dass es knifflig wird, vielleicht sogar langweilig, beschäftige ich mich mit einem anderen thema, einer anderen störung.

ich habe schon ein paar mal darüber geschrieben, aber es leuchtet mir einfach nicht ein. manchmal, da habe ich das gefühl, dass ich nur krank geworden bin, weil ich so viel über all diese krankheiten weiß. als hätte ich sie mir angeeignet, bloß eine zeitlang übernommen. jetzt bleiben die symptome, aber die gründe, die ursachen sind stets ungeklärt. 
es ist, als suche sich mein unterbewusstsein etwas, womit ich mich identifizieren kann, um mich selbst am leben zu erhalten, weil der sinn, für all das hier draußen, fehlt.


ich vermisse meine 52kilo. sehr sogar.
ANA. i will be good enough.