Samstag, 30. Juni 2012

you make me feel good, you make me feel safe!

And the voice in my head starts screaming
I'm alive!
You're like a laserlight, burning up

Burning down, on me
You're like a laserlight, burning up
Burning down, on me

You make me feel good,

You make me feel safe,
You make me feel like I could live another day
(David Guetta ft. Jessie J - Laserlight)

was ich gestern erlebte, kann ich nicht in worte fassen. ich kann es versuchen, abe rniemals, niemals wird das, was ich vermitteln möchte, auch nur bei einem von euch ankommen.
gestern war der abiball meiner alten jahrgangsstufe, der menschen, mit denen ich jahrelang in einer klasse war, die meine hochs und tiefs vor augen hatten. 
ich hatte noch nie in meinem ganzen leben so große angst, wie vor diesem tag. 
warum hat sie mich gefragt, ob ich mitkommen will, wenn wir doch gar keinen kontakt mehr haben?
sie, das ist ein mädchen, welches selbst fast an depressionen zerbrach. vor jahren hat sie es heraus geschafft und trotzdem wusste sie tag für tag was ich durchmachte. sie war nicht meine beste freundin, aber ich hatte und habe noch immer eine besondere verbindung zu ihr. sie braucht mich nur anschauen und weiß instinktiv, was los ist, was in und mit mir vor sich geht. 


ich kann nicht laufen in diesem kleid, das so eng ist, dass meine schritte halb so groß sein können, wie sonst. ich habe meine hohen schuhe vergessen, fühle mich klein und hässlich, im vergleich zu all diesen schönheiten um mich herum, in den schönen, teuren kleidern, aber ich lasse mir nichts anmerken, halte hier und da smalltalk mit den mir bekannten gesichtern, die zu scheinbar fremden menschen gehören. 
"wie schön, dass du da bist!"
"ich freue mich echt dich zu sehen!"
"echt cool, dass du gekommen bist!"
"mit wem bist du hier?" "mit ihr." "achso." von euch arschlöchern hat mich ja sonst niemand gefragt..
irgendwann tun meine wangen weh, vom ganzen gekünstelten lachen. es ist ganz nett, ja, aber der bringer ist es nicht.
die nächste herausforderung ist das buffet. einer bulimikerin ein all "you can eat buffet" zu servieren ist eine risiko. aber ich halte mich an das mädchen, mache es ihr einfach nach, befülle meinen teller hauptsächlich mit salat und gemüse und schaffe es, nicht noch einmal nachzuholen. 
irgendwann stehen wir nur noch draußen, unterhalten uns, kommen ins gespräch mit vielen verschiedenen menschen, die ich kenne und auch wieder nicht. der vorteil war, dass nicht nur das essen im preis enthalten war, sondern ebenso der alkohol, sodass wir irgendwann bei dem 9. glas weißwein sind, das wir, "ex oder ballotelli", ohne nachzudenken in uns kippen. 
der abend fängt an, spaß zu machen!
um zwei verschwinde ich mit drei der jungs, die nur mehr schlecht als recht laufen können und tarzansprünge von treppen und gegen laternenpfähle machen, die ausrasten und gegen den fahrplan schlagen, weil kein zug mehr kommt. ich muss mein kleid beinahe über meinen hintern schieben, um schritt halten zu können, aber das ist vergessen, als wir schließlich in einem teil meiner stadt ankommen, in dem ich mich absolut nicht auskenne. aber ich habe keine angst, ich bin viel zu sorglos, viel zu glücklich darüber, diesen einen jungen bei mir zu haben. 
er war in meiner klasse und er war magersüchtig, hatte auf 1,86m bloß noch 42kg. er war in einer klinik und ich war die einzige, die ihn damals besuchte. es geht ihm lange schon wieder gut, man sieht es und man fühlt es, aber ich habe seit dem tag, an dem ich ihn besuchte, kein einziges wort mehr über seine krankheit verloren und er ebenso wenig. 
ich erfahre dinge von ihm, die ich mir niemals hätte träumen lassen können: er kifft seit drei jahren regelmäßig, also dauert es nicht lange, bis wir die ersten tüten zünden. aber es ist ok, denn es ist etwas besonderes und ich kann es mit meinem gewissen vereinbaren.
er ist überraschend offen und überraschend ehrlich, als wir, auf der couch sitzen und einen film schauen, ohne ihn wirklich wahrzunehmen, anfängt, mit mir zu sprechen, zu reden. nicht bloß dieser oberflächliche scheiß, sondern tiefe gedanken, schmerzende gedanken.
"lässt es einen irgendwann vollkommen los?"
"ja. aber es ist harte arbeit und es ist wirklich, wirklich anstrengend. du musst einfach handeln. ich habe gekocht und gegessen, gekocht und gegessen, gekocht und gegessen. immer wieder, egal, ob ich hunger hatte oder nicht. du musst einfach verstehen, dass der körper nahrung braucht zum leben. ich habe nicht nur nicht mehr gegessen, sondern auch nicht mehr getrunken, weil auch wasser gewicht hat und ich am nächsten tag mehr wog, als zuvor. ich lag irgendwann wie ein häufchen elend auf der waage, 45kg, meine oma stand neben mir und hat einfach nur geweint. das hat mir die augen geöffnet. ich habe seitdem 50kg zugenommen. ich fühle mich nicht wirklich wohl, aber es muss ja. es geht darum, zu LEBEN. und ohne essen, geht das nicht."
um halb sechs überlege ich, wie ich nach hause kommen könnte, mit null euro in der tasche. er bietet mir sein bett an und nimmt dafür gerne die couch. 
ich schlafe sofort ein und das letzte, was ich sehe, sind seine blaue augen, die mich erwartungsvoll anschauen. vielleicht auch ein wenig unsicher, ich weiß es nicht. ich möchte ihm anbieten, zu mir ins bett zu kommen, aber mehr nähe vertrage ich nicht. es war die größte überwindung, überhaupt über mich und meine krankheit zu sprechen, da wäre körperliche nähe zu viel, selbst wenn es bloß kuscheln gewesen wäre. ich wünsche es mir, einfach nur von jemandem gehalten, berührt zu werden, aber ich kann es nicht, bringe es nicht über mich.
nach wenigen stunden schlaf, immer noch vollkommen betrunken werde ich wach. er ist es schon. 
"du hast so süß geschlafen! möchtest du etwas frühstücken?"
ich weiß, dass es kein nein gibt, dass er es nicht akzeptieren würde, also sage ich ja, für ihn. kurze zeit später kommt er mit brot, joghurt und frischem spiegelei wieder und ich esse ein paar bissen, bevor ich aufgeben muss, weil ich mich sonst hätte übergeben müssen.
dann sitze ich noch 45minuten im bus, zusammen mit kleinen kindern und omis, in seiner trainingshose und dem viel zu großen tshirts, mit schwarzen balken um die augen und schmadigen haaren. 
aber es ist mir egal, dieser abend war es wert!

was jetzt auf mich wartet, ist ein leeres haus, sturmfrei bis zum 9. 
party, bruder!

vielen danke, an alle, die das hier gelesen haben. dieser tag gestenr hat mir sehr viel bedeutet.


Donnerstag, 28. Juni 2012

you'll never want to leave my side as long as I don't break these promises

You got me so high,
So high I cannot feel the fire.
And you keep telling me,
Telling me that you'll be sweet,
And you'll never want to leave my side,
As long as I don't break these...

Promises, and they still feel all so wasted on myself
 (Nero ft. Skrillex - Promises)

all die versprechen, die mir die krankheiten gaben und noch immer geben, sind verlogen. vielleicht haben mir auch nicht die krankheiten, sondern ich selbst etwas versprochen: ein schöneres leben durch ein schöneres äußeres. und es mag stimmen, schönheit bringt viele vorteile. aber schönheit kann man nicht durch abmagern erreichen und auch nicht dadurch, sich selbst gefangen zu nehmen.
ich habe mich so sehr in der vergangenheit verstrickt, dass ich den blick nach vorne verloren hatte und mich nicht auf das wesentliche konzentrieren konnte. egal, wie wenig oder wie viel ich gegessen hatte, egal wie viel ich ab- oder auch zugenommen hatte, es war nie genug. niemals. und das schlimme ist, dass es auch niemals genug werden wird oder sein kann. 
wofür stecke ich mir diese hohen ziele, wenn ich von vornherein keinerlei chance habe, diese auch zu erreichen?

es ist noch lange nicht alles gut und vermutlich wird auch alles nie wieder wirklich gut. doch zufriedenstellend sollte es werden. und ansatzweise ist es das auch schon.
ich werde wirklich erwachsen. 
an den tagen, an denen ich mittlerweile drogenfrei und auch bulimiefrei bin, fasse ich klare gedanken. nicht diese, die sich bloß um knochen und essen drehen, sondern jene, die sich mit der welt und dem leben beschäftigen. mit meiner zukunft, meinen wünschen und meinen träumen.

"ihr müsst mir zwischendurch mal rückmeldung geben, über mein gewicht, mein aussehen."
"ganz ehrlich: du darfst nicht auf das hören, was du selbst denkst. vertraue uns. wir sind deine freunde."

wie soll man so einfach die stimme, die eigenen gedanken ignorieren, verbannen, ausrotten? wenn es das ist, was mich jahrelang begleitet hat, mir den weg geweist hat, mich nie alleine und doch zu oft im stich gelassen hat? 
ganz genau. die krankheit war zwar immer für mich da, doch hat sie mich weiter nach unten getrieben, als ich es jemals war, nicht nur gewichtsmäßig. sie hat so vieles kaputt gemacht: freundschaften, motivation, lebensmut. 
es wird zeit aufzuwachen. und wenn ich den wecker überhöre, muss es eben der nasse waschlappen im gesicht sein! 

ich breche heute mein versprechen, liebe essstörung, die du mich so lange geführt hast. ich breche das versprechen, denn ich kann nicht mehr zu dir stehen, kann dir nicht mehr die macht über mich, mein leben und mein komplettes umfeld geben. das alles steht dir nicht mehr zu.





Dienstag, 26. Juni 2012

ich war einmal ein schmetterling...

übrig bleiben zwei optionen: erwachsen werden und mit der welt klar kommen oder der tod. 
es ist an der zeit sich von den fesseln zu lösen, die mich halten, zurück ziehen, die mich gewaltsam tag für tag in die vergangenheit reißen wollen.
der mensch ist ein gewohnheitstier.
alles ist gewohnheit. die essstörung ist gewohnheit, die depression ist gewohnheit, die angst ist gewohnheit. 
man kann sich daran gewöhnen zu hungern, zu verschwinden, stück für stück, daran, das bett nicht mehr zu verlassen, den tag nach den drogen auszurichten und in dunkelheit umherzutreiben, ohne ein ziel vor augen ausmachen zu können.

aber irgendwann ist es genug.
man kann sich ebenso daran gewöhnen, regelmäßig eine mahlzeit zu sich zu nehmen, daran, sein bett nicht im zehn minutentakt zu verlassen, um im haus umherzuschleichen und aus den schränken alles schmackhafte zu kramen, was auffindbar ist. 

eine gewohnheit, eine routine aus seinem alltag zu streichen, ist nicht einfach. es ist mit angst verbunden, mit zweifeln und sorgen. doch diese gefühle sind normal. und aushaltbar. 

solange man es nur versucht!
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ich möchte heute keine aktuellen photos posten, ich möchte euch und mich an zeiten erinnern, in denen ich froh war. vielleicht nicht glücklich und auch nicht komplett gesund, vielleicht auch zu dick, vielleicht auch zu jung. ich weiß es nicht. aber ich war in der lage zu leben, anstatt orientierungslos einen sinn zu suchen. 
und dort möchte ich wieder hin.

ich war einmal ein schmetterling.
es gab schon immer buntere, schillerndere, als mich,
aber ich konnte mithalten, 
hatte ausdruck.
im moment bin ich wieder in meinem kokon,
gefangen unter meiner eigenen haut. 






















 

 

Mittwoch, 20. Juni 2012

This is it

mensch sein - leben


 ich weiß nicht, wie oft ich es wiederholen muss, wie oft ich es noch wiederholen kann. die existenz als menschliches wesen gefällt mir nicht. dieses leben passt mir nicht. nicht bloß mein eigenes leben, überhaupt zu leben. 
this is it
aber was genau ist es? wofür tue ich mir das alles an?
die sinnfrage. wieder einmal geht es darum. sein oder nicht sein. wenn ihr mich fragt: ich wäre lieber nicht. 
glück, freude, liebe. für einen moment kann alles schön sein, für einen augenblick kann alles vollkommen sein, aber die meiste zeit ist es das nicht. nicht einmal ansatzweise. 
es ist ein ernüchternder kampf, im grunde genommen ein unwichtiger noch dazu. 


ich kann nicht einschlafen, spiele alle unterhaltsamen und alle langweilenden spiele auf meinem iphone, lege eine bibi blocksberg cd ein, in der hoffnung, irgendwann ruhe zu finden. ich schaue den minuten zu, die verstreichen, spüre die biologie aufzeichnungen neben mir im bett, weiß, dass ich den schlaf brauche, um meine leistung erbringen zu können. die letzte klausur für dieses schuljahr, die letzten wichtigen punkte bis zu den sommerferien. 
irgendwann funktioniert es und die decke der nacht fällt über mich für kurze zeit. dann wache ich auf, schweißgebadet. stinkendes, ausnüchterndes wasser auf meiner haut, meiner kleidung, meinem bett. ich muss mich ausziehen und fange sogleich an zu zittern. 
jedes mal, wenn ich meine augen wieder schließe, überfallen mich die träume nach einem haufen gras in meinem zimmer. er ist schön, er ist groß. und er ist eine illusion.


wie konnte ich auf die idee kommen, gleichzeit die bulimie los werden zu wollen und "clean" zu werden? wie in aller welt kam dieser geistesblitz in mein hirn? der drogenkonsum verstärkt die essstörung, ja. das kann ich akzeptieren, mittlerweile. aber ich habe mir wohl den ungünstigsten moment ausgesucht, mich neu zu erfinden. jeder rückschlag bedeutet regression und niederlage. 
jeder druck verlangt danach, ausgelebt zu werden.

ich fühle mich so fett, so ekelhaft. ich will wieder runter, am liebsten unter runter. so weit unten, wie nur möglich. und während ich das denke, mischt sich die vernunft ein und flüstert mir leise ins ohr, dass mich niemand will, so dünn, so dürr, so mager, so hager. doch auch so will mich niemand. 
warum also nicht.

Freitag, 15. Juni 2012

Bald mal endlich ein Anfang

Ich habe mich lange gefragt, ob ich es könnte und ich habe nie daran geglaubt. Ich habe nicht mehr daran gedacht, dass ich das Gefühl des Hungers als abstoßend, schmerzhaft, störend empfinden könnte, nachdem es so lange mein treuer wegbegleiter gewesen ist, meine Kontrolle, meine Sicherheit.  Viel zu lange war es mir unerklärlich, wie man am erst kurz begonnenen Tag, Kalorien zu sich nehmen kann. Ohne groß nachzudenken in der Pause ein Brötchen verdrücken. Früher wäre es unmöglich gewesen: das volle, Fette Körpergefühl, der ziehende, stechende Magen, die abwertenden, angeekelten Blicke, die heimlichen, stillen Worte, die umso lauter klingen, die Gedanken, die sich überschlagen.  Es ist nicht vorbei, wahrscheinlich noch lange nicht. Immer noch kommt es darauf an, was ich zu mir nehme, wie viel, wie gesund ich mich ernähre. Es sind stets die leichten Sachen. Kann ich wählen, gibt es keine Margarine, sondern bloß putenbrust, Gurken, Salat und ein klecks Remoulade. Mehr zur deko, als für den geschmack.  Ich denke nicht an meine Beine, nicht daran, dass die Fülle sich auf wundersame weise verdreifachen kann, nur durch ein prüdes Brötchen.  Vielmehr sind es IHRE Beine, die mir vorschweben. Ich denke daran, dass ich niemals aussehen, wirken oder sein werde wie sie.  Und dann beginnt die Sentimentalität gemeinsam mit der Melancholie ein Lied zu singen. Eine schön-traurige Melodie, ein harter, aussichtsloser Text. Zusammen bewirken sie gelegentlichen, dass die zeit verzieht, eingehüllt in die Wolke der Depression.  Ich esse. Aber gezielt. Gerade genug, um mein Gewicht zu halten, um den Anstrengungen gerecht zu werden. Und, um der Bulimie auszuweichen. Es gibt mittlerweile sogar wieder Tage, an denen ich es schaffe, brechfrei zu bleiben, obwohl der Druck nie nachzulassen scheint und obwohl ich weiterhin eine konstante Anzahl von Tüten täglich rauche. Irgendwo  muss bald mal endlich ein Anfang gefunden werden. 

Dienstag, 5. Juni 2012

Euphoria

Kommt, wir gehen!
Wir können nicht.
Warum nicht?
Wir warten auf...
(Samuel Beckett - Warten auf Godot)

es ist ein gutes zeichen, dass ihr nichts von mir lest. es ist ein schritt in die richtige richtung. vielleicht lasse ich langsam los. vielleicht entferne ich mich immer weiter von dieser kranken welt, die viel zu lange um mich herum existierte. 
aber da mache ich mir etwas vor. sie existiert noch. es gibt sie noch.

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wir hassen die mittagspause. sie ist zu lang, sie ist unnötig. rumstehen, eine nach der anderen rauchen und warten, bis die 60 minuten endlich vergangen sind. ein normaler mensch hat in der mittagszeit hunger, sodass es nicht lange dauert, bis wir in der stadt und vor einem subway laden stehen. 
auch ich esse. eine normale portion, ohne normalen hunger. was zählt ist, dass ich es überhaupt tue. 
15cm chicken teriyaki erscheinen mir plötzlich verdammt viel. aber es ist machbar. langsam, aber nicht zu langsam, nicht so, dass es auffallen würde, nicht so, dass mir meine gedanken vor jedem bissen ins gesicht geschrieben stünden. 
einer der vorteile bei subway ist, dass man sein getränk nachfüllen kann. irgendwann wird sich jede bulimikerin angewöhnt haben, so viel und so schnell wie möglich zu trinken. vor, während und nach dem essen. natürlich kippe ich mir die zweiten 400ml 7up auch noch nach, damit mein bauch in den zwei pädagogik lk stunden zu platzen scheint. 
ich bin nervös. zittrig. aufgewühlt. 
und das neue thema tut sein bestes, dies zu unterstützen. 
"essstörungen unter systemische therapie"
in der fünfminutenpause zwischen den beiden stunden verlasse ich den raum, renne quer durch das halbe gebäude, will nicht die toilette direkt vor dem raum benutzen. ich renne. reiße auf dem weg meine kette und meinen ring von mir, stopfe alles in die hosentasche. auf der toilette die ernüchterung: ich bin nicht allein, nicht ein einziges mal in den zehn minuten, die ich dort verbringe. hoffend, flehend. 'sie sollen alle verschwinden!' ich kann nicht mehr. bin so voller druck, fühle mich zwei zentner schwerr als am morgen. 
aber ich bringe es nicht über mich. zu groß ist die scham, in der schule erwischt zu werden, zu groß ist die angst, dass mich jemand hören könnte, der mich kennt.

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solange du versuchst abzunehmen, obwohl du schon im untergewicht bist, solange du dich von pro ana seiten und slogans verarschen lässt, weißt du nicht, was magersucht wirklich ist. 
magersucht ist abzunehmen, ohne es zu wollen, abzunehmen, obwohl du eigentlich zunehmen willst, abzunehmen, unabhängig davon, ob du deine kalorienbilanz einhalten kannst. 

fünf bis sechzehn Prozent der magersüchtigen sterben. die hälfte davon an suizid. 
nicht, weil sie ihr zielgewicht nicht erreichen, sondern weil sie den kampf aus der sucht heraus aufgegeben haben.