Dienstag, 31. Mai 2011

die welt durch kinderaugen

früher habe ich immer gesagt, dass ich mein kind abgeben müsse, sollte es behindert werden. ich konnte mir nicht vorstellen, mein ganzes leben für ein kind aufzugeben, das vielleicht niemals in der lage sein wird, sich mit mri zu unterhalten.
aber ich habe meine meinung geändert. ich könnte es nicht mit mir vereinbaren, mein fleisch und blut wegzugeben, nur weil es behindert ist.
heute hatte ich ein mehrfach schwerst behindertes mädchen zu betreuen. sie ist die 4. und ich muss sagen, dass es sie wirklich hart getroffen hat. sie ist 5 jahre alt, kann nicht laufen, nicht sprechen, hat eine fehlstellung der augen (schielt), trägt windeln, sitzt im rollstuhl. im grunde genommen kann sie gar nichts. aber wenn sie sich freut, strahlt sie über's ganze gesicht. sie lacht laut und genießt einfach diese kleinen momente. als ihre oma kam, um sie abzuholen, hat sie sich an mir fest geklammert und ihre großmutter weg getreten. sie wollte bei mir bleiben. ich musste sie bis zum auto bringen und in den kindersitz setzen, damit sie nach hause kommt. ich glaube, das war einer der schönsten momente, die ich seit langem hatte. grenzenlose, erwartungsfreie zuneigung.
dieses mädchen ist furchtbar anstrengend, aber unglaublich beneidenswert. es geht ihr viel, viel schlechter, als dem großteil der weltbevölkerung und doch wäre ich gerne in ihrer situation. einfach nicht nachdenken, an kleinigkeiten erfreuen und das herz aufgehen lassen.
die welt durch kinderaugen sehen. ja, das wäre wundervoll.

abnehm-technisch läuft es in ordnung würde ich sagen. wie erwartet hat ich durch den refeed zugenommen. gestern kam dann noch eine FA mit nachherigem erbrechen hinzu. aber was soll's. heute morgen war ich also auf 57,8kilo, bmi 19,09. falls ich bis morgen 300gramm abnehme, ist mein bmi endlich unter 19. aber das sollte zu schaffen sein. ich bin gerade dabei salat zu essen, mit einem löffel magerjoghurt und einem löffel tzatziki. ich weiß, unnötig, aber ich hatte lust darauf und bevor die nächste fressattacke ansteht, mache ich es lieber kontrolliert.
später wollen wir alle ins kino, vorher natürlich einen rauchen. stark bleiben ist angesagt!
ach und morgen ist wieder gruppentherapie. wäre schön, wenn ich bis dahin wirklich unter der 19 bin.

über mich wird übrigens erzählt ich sei eine schlampe und ich habe streit mit meinem freund. aber es juckt mich ziemlich wenig, denn ich bin wieder einmal so was von gefühlskalt. aber das kenne ich ja bereits von mir.

Sonntag, 29. Mai 2011

bedeutungslos

okay.
ein kilo wird wohl für morgen wieder drauf sein.
hatte heute einen refeed. und um euch wirklich all eure sorgen zu nehmen: ich genieße es, zu essen. es macht mir spaß, es schmeckt mir gut. ich weiß ja, dass ich meinem stoffwechsel damit etwas gutes tue. ich KANN essen, habe zwar dabei ein schlechtes gewissen, weil für morgen dann die zahl der waage wieder steigt, aber danach geht es ja umso schneller.

wisst ihr was? man kann den menschen nicht klar machen, dass man nicht magersüchtig ist oder auf dem weg in die magersucht. denn keine einzige mnagersüchtige würde am "anfang ihrer krankheit" sich eingestehen, dass sie nicht mehr aufhören kann damit, dass sie süchtig nach dem hungergefühl, der kontrolle ist. erst, wenn es fast schon zu spät ist, wenn dein wille gebrochen wird, versteht eine magersüchtige, was sache ist.
deswegen, genau aus diesem grund, hat es absolut keine bedeutung, wenn ich hier beteuere, dass ich dieser krankheit nicht unterlegen bin.
dafür esse ich viel zu gerne.

krass. einfach krass.

ich habe keine worte für die letzte nacht.

übrig geblieben sind nur noch ein paar fetzen, ausschnitte, segmente.
vier flaschen wodka für 10 leute.
k.o.-tropfen im glas von einer guten freundin.
meine schwester, die irgendwann mit meinem auto nach hause gefahren ist.
eine weiße line auf dem perso eines guten bekannten, die in meine nase gelangt ist.
keine erinnerung an die zeit von 2-4uhr.
ein zigarettenautomat, der nicht funktioniert hat und keiner, der kippen hatte.
eine hand eines guten freundes, die ich zwischen meinen beinen wiedergefunden habe. glücklicherweise habe ich ihn frühzeitig stoppen können.
ein anruf meiner mutter, die vor sorge fast umgekommen ist, weil ich nicht nach hause gekommen bin.
zwei jungs, die geschnarcht haben wie bären, während ich um halb 9 immer noch wach zwischen ihnen lag.


ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe. aber ich bin auf meinem tiefstgewicht seit ich denken kann.
56,8kilo. bmi 18,76.
krass.
noch 1200gramm, bis ins untergewicht.
einfach nur krass.
ich muss in mein bett. dringend.

Samstag, 28. Mai 2011

ende offen

meine fingernägel sind rot lackiert. sie glänzen richtig, verstecken die wahrheit. denn eigentlich sind sie blau. und wisst ihr was? ich bin stolz drauf. stolz, dass ich meine fressattacken die letzten tage über im griff hatte, mich kontrollieren konnte. stolz über die disziplin, stolz, dass die zahl wieder kleiner wird. mein kopf sagt mir, dass dieser stolz falsch ist, dass er nicht echt ist, aber das sehe ich nicht, fühle ich nicht.
jegliche nahrungsmittel, die ich zu mir nehme, werden in kalorien umgerechnet.
137.
das ist eine gute zahl für heute. nicht weniger und vor allem nicht mehr. und obwohl das snickers, was ich gestern im kino dabei hatte (für meinen freund) neben mir liegt, obwohl der kühlschrank prall gefüllt ist, kann ich den drang zu essen unterdrücken. für jetzt.

obwohl ich weiß, dass der wodka gleich in mengen fließen wird und ich eigentlich eine grundlage bräuchte, sind das einzige, was ich heute noch zu mir nehmen möchte, die 3kalorien durch 1500ml cola light.

alle menschen, die mir etwas bedeuten, die mir etwas bedeutet haben, stehen um mich herum, begleiten mich, auf diesem weg. er sollte schwer sein, doch es fällt mir leicht, die quadratischen grünflächen anzusehen, zu betrachten. manche sind bestückt mit kerzen, andere sind verdorrt und von grünzeug überwuchert.
ihr seid bei mir. nehmt meine hand. haltet mich. und ich treffe eine entscheidung. eine endgültige entscheidung. ich suche mir mein eigenes grab aus. 
(traum von vorgestern nacht)

warum auch immer, fällt mir  ein satz ein, den eine ehemalige lehrerin einmal zu mir sagte, eine lehrerin, die mir falsche unterstützung anbot und im wahrsten sinne des wortes weglief, als ich ihre hilfe brauchte:
"irgendwann, wirst du über all das lachen können."
unsere unterhaltung ist ein jahr her. ein jahr, in dem vieles passiert ist, beinahe alles. und das einzige, was ich nicht getan habe war, darüber zu lachen, dass es mir nicht gut geht, nicht gut ging. vergangenheitsform, so, wie sie es sich erhoffte.


"Excuse me, but I might drink a little more than I should tonight."
(Give me everything - Pitbull feat. Ne-Yo, Afrojack, Nayer)
vielleicht kann ich endlich einmal alles um mich herum vergessen. vielleicht werde ich den abend über dem klo hängend verbringen. vielleicht werde ich mit einer alkoholvergiftung im krankenhaus landen. ich weiß es nicht. es ist mir egal.
ende offen.

eigentlich wollte ich bilder von meinem heutigen outfit posten, aber der gedanke daran, aus meinem dicken pullover und meiner jeans zu schlüpfen und das kleid anzuziehen, schickt mir eine gänsehaut über den rücken. ob es die kälte ist, die durch meinen gesamten körper kriecht oder der scham, mein fett zu zeigen, weiß ich nicht.
vielleicht also als edit photos.

edit: meine kamera ist kaputt. warum auch immer. toll. also erstmal keine neuen photos.