Donnerstag, 18. August 2011

sometimes it's hard not to follow your heart

bevor ich sie sehen kann, höre ich es. ihr lachen. ich überlege unbemerkt zu verschwinden, wegzulaufen. aber sie ist hier und was gibt es schöneres? angst wird verbannt, genauso, wie scham. ich ziehe mir eine jacke über, einen schal, socken. sie soll möglichst wenig von meinem aufgequollenen körper sehen, von meinem blähbauch, der dem einer schwangeren ähnelt.
ihre blauen augen strahlen, ihr t-shirt ist vom regen ganz nass. ich umarme jeden aus der gruppe und versuche mir nicht anmerken zu lassen, dass ich sie am liebsten gar nicht mehr loslassen würde.
sie haben es wirklich getan. sie sind einfach so her gekommen. zu uns. zu mir? nein. das wohl nicht..


sie sitzt mir gegenüber, aber ich kann ihr nicht ins gesicht sehen, ich kann es nicht ertragen zu merken, dass sie mich ansieht mit einem blick, in den man alles oder nichts deuten könnte. ich weiß, dass es das 'nichts' ist, aber ich rede mir ein, es wäre das 'alles'.
sie unterhalten sich und wir können nicht mitreden, kennen die personen, um die es geht nicht, sitzen bloß daneben, wie zu stein geworden. ohne alkoholeinfluss haben wir uns alle wohl nicht so viel zu sagen, wie wir angenommen hatten.
mein kopf wird immer heißer, droht zu platzen. ich rede kaum, bin nicht so lustig, wie im urlaub, bin nicht so glücklich, so selbst vergessen wie dort.
mir wird kalt, dann heiß. ich fange an zu schwitzen, schlage den weg zur toilette ein, weil ich es ihnen nicht antun will, mich bloß in top und hotpant zu sehen.
als ich in den spiegel schaue, erschrecke ich. diese müden, kranken augen gehören nicht zu mir. dieses blasse gesicht mit den wor hitze roten wangen, muss einfach jemand anderem gehören. jemandem, der hinter mir steht, mich verdeckt, mein wahres ich nicht preisgeben will.

ich drehe mich gerade noch rechtzeitig um und erbreche in die toilette. es ist viel zu still für dieses hässliche geräusch der ausgespuckten magensäure. ich verabschiede mich von allen mit einem winken, werde "gezwungen" beim nächsten treffen wieder mit dabei zu sein. sie finden es schade, dass ich schon gehe, aber ich soll gesund werden.
ihr blick ruht die ganze zeit auf mir. ich sehe es aus dem augenwinkel. ich kann es sogar förmlich spüren. sie betrachtet mich, nimmt mich in schutz, will, dass ich mich erstmal ausruhe.

als ich zu hause angekommen bin, leuchtet mein iphone auf. die sms ist von ihr. es ist bloß eine einzige frage, bloß, um gewissheit zu bekommen, dass ich gut zu hause angekommen bin. doch was für mich zählt ist, dass sie die einzige ist, die mir überhaupt geschrieben hat.

ritzdruck. so großer ritzdruck. jede zelle meines körpers sehnt sich nach dem schmerz, dem blut, der erlichterung, wenn es meinen arm hinunter fließt, wie ein nie versiegender bach.
scheiße.
ich habe es ihr doch versprochen...

Mittwoch, 17. August 2011

who I am hates who I've been

habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich fett und hässlich bin? nein, ich will keine aufmunternden kommentare, kein mitleid, keine gut gemeinten wahrheiten. in meinem kopf wird sich sowieso nichts ändern, solange ich es nicht selbst zulasse.


gekrümmt vor schmerzen liege ich im bett und frage mich, wann es endlich aufhört. husten, schnupfen, fieber, kopfschmerzen, halsschmerzen, magenschmerzen, gliederschmerzen, darmkrämpfe, übelkeit, durchfall.
krank und alleine im bett zu liegen hat allerdings auch seine vorteile. ich wusste wirklich nicht, dass ich die kunst des verdrängens von unpassenden gefühlen immer noch so perfekt beherrsche. bis vorgestern hätte ich noch alles darum gegeben, eine zukunft mit ihr zu haben. heute habe ich mir selbst eingeredet, dass urlaub urlaub war und hier nichts von alledem mehr eine bedeutung hat. ich habe sogar mit ihr telefoniert gestern und trotzdem komme ich klar. die frage ist nur, wie lange diese taktik sinn macht. denn einholen werden mich die emotionen spätestens am wochenende, wenn wir uns alle wiedersehen...

der polizeiwagen neben mir auf der spur entschließt sich dazu, mir zu folgen, anstatt in die andere richtung abzubiegen. ich lasse mir nicht anmerken, dass wir alle vier bereits wein getrunken und piece geraucht haben. der einzige mann im auto hat außerdem noch etwa 5gramm piece in der tasche.
das rote "STOPP!" zeichen auf dem blau-silbernen wagen lässt mich innerlich zittern. ich halte an, öffne die tür bereits bevor der polizist mein auto erreicht hat. er will meinen führerschein und meine fahrzeugpapiere. mein warndreieck, meinen verbandskasten. er stellt mir fragen, leuchtet mir in die augen. gedanken überschlagen sich. er lässt mich weiter fahren und wünscht mir eine schöne nacht.

verantwortungslos. verantwortungslos. verantwortungslos.
ich mache mich selbst unglaublich wütend.


in planung ist außerdem momentan eine last minute reise nach rimini, malta oder ibiza. ich muss hier weg aus diesem tristen land. ich muss hier raus, fliehen, wegrennen. vor allem vor mir selbst.
außerdem lasse ich zur zeit meine tunnel zuwachsen. das passt gar nicht mehr zu mir. ich habe mich einfach viel zu sehr verändert in den letzten monaten.
ach und eins noch: ihr braucht keine angst vor mir zu haben, nur weil ich es hier jetzt offiziell gemacht habe, dass ich auf männer und frauen stehe. ich selbst wusste das schon lange und für mich ändert sich nichts. also seid so fair und toleriert es einfach!

Montag, 15. August 2011

Paradoxon

"Es war ein heller Tag mitten in der Nacht,
als zwei tote Jungen aufstanden zur letzten Schlacht.
Rücken an Rücken standen sie voll Entzücken,
zogen ihre Schwerter blank und schlugen sich, bis einer ertrank.
Ein tauber Polizist hörte den Lärm,
kam und tötete die beiden Jungen gern."
(The Haunting in Connecticut)





jeder der bauen kann bekommt ein pape, eine kippe und grünes. wir haben unsere dealer direkt mit zur hausparty eingeladen. was soll der geiz? 
bald schon stehen wir auf der dachterrasse, ein glas wodka in der einen, ein joint in der anderen hand. wieso auch nicht. wäre ja nicht so, als wollten wir alle im urlaub aufgehört haben. stattdessen habe ich einige hotelzimmer von nicht deutschen urlaubern von innen gesehen, bloß, um einen zu rauchen. bezahlt habe ich nie. so etwas macht man nicht. entweder man wird eingeladen oder man raucht nicht. abgerechnet wird auf andere weise. es geht nur um den spaß, um den reiz, um die verlockung. finde ich jemanden, der bereit ist, mit mir zu rauchen? es ist das spiel um begehrt werden oder nicht, um ein sympathisches, anziehendes aussehen. 
bin ich gut genug dafür? 
ja, ich war es einige male. und vielleicht bin ich es auch immer noch. ich kann es nur leider nicht sehen. 

es sind bloß 38 kilometer, die uns trennen, bloß ein paar unbedeutende minuten über die autobahn. aber tief in mir drin schreit mich jemand an, wieso ich so dämlich sein konnte, mich in sie zu verlieben, zu denken, dass ich etwas besonderes für sie war, wäre, bin, sein werde. es ist egal, in welcher zeitform ich es formuliere. am ende läuft es auf das gleiche hinaus.


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und bevor verwirrte fragen auftauchen: JA, ich bin bi.
neue packung dulcolax gekauft, weil ich gestern schon wieder mastschwein gespielt habe. man macht das spaß. jetzt erstmal ab ins bett, vermutlich habe ich eine mandelentzündung. alkohol wirkt desinfizierend. also heute abend wieder einen trinken?

Sonntag, 14. August 2011

honestly you turned out to be the best thing I never had

der balkon eures hotelzimmers ist viel zu klein für all die rauchenden, lachenden, trinkenden menschen. wie im rausch lasse ich mich mit tragen, finde keinen platz, will nicht auf dem boden sitzen. du bietest mir an, mich auf deinen schoß zu setzen. mein rock rutscht ein wenig hoch, aber das macht uns beiden nichts. du nimmst meine hand in deine, hältst sie fest, legst sie auf meinem bein ab. es kribbelt. jede deiner ungeplanten berührungen treibt mir ein lächeln aufs gesicht. es ist so einfach, so leicht. so vollkommen unbeschwert.

meine freunde haben mich alleine gelassen mit euch. mit dir. aber es ist okay wie es ist. in diesem moment zählst nur du für mich. die menschen um uns herum haben keine bedeutung. ich muss zur toilette, doch ich weiß nicht, wo sie ist, also zeigst du es mir. grinst mich an mit dem schönsten lächeln, das ich je gesehen habe. ich schließe die kabinentür, atme tief durch, muss lachen, öffne sie wieder, weil ich nicht glauben kann, dass dieser moment echt ist, dass das alles wirklich gerade passiert. du stehst direkt davor, lehnst locker an der wand, musst lachen.
du bist so schön.
ich will zu dir, trete heraus, nehme dich in den arm. und küsse dich. es fühlt sich so gut an. so unglaublich gut. es ist richtig.
jemand fängt zu grölen und klatschen an. wir müssen beide lachen, nehmen uns an der hand, wollen diesen laden verlassen, doch wir kommen nicht weit. mitten auf der tanzfläche küssen wir uns wieder und alles andere um mich herum verschwimmt.



"lass mich nicht los. bitte, lass mich nicht los!" 
wir laufen bis zum strand, du hast meine hand fest in deiner. ich kenne dich kaum, doch du weißt schon mehr über mich, als manche meiner freunde. wir reden und reden. rennen in unterwäsche ins meer. es ist viel zu kalt.
der sand, das meer, deine küsse. irgendwann tut mein rücken von der harten strandliege zu weh, wir beschließen ins hotel zurück zu gehen, ziehen uns an, nehmen unsere sachen. ich will eine rauchen, öffne meine tasche, starre hinein, kippe den kompletten inhalt auf den sand. handy, zigaretten, geld. weg. bei dir ist es das gleiche. du rastest aus, schreist rum, läufst los. und ich dir hinterher. ich bin so klein in diesem moment. deine wut macht jemanden aus dir, der mir angst macht, der unberechenbar für mich ist. doch wo soll ich schon hin, alleine in bulgarien, ohne handy, ohne geld. betrunken, nass. ich komme kaum hinterher. doch das liegt wohl an deiner fußballer ausdauer.

du hast dich wieder beruhigt und irgendwann liegen wir in deinem bett. es ist schöner, als alles, was ich je erlebt habe. es ist perfekt in diesem moment.
die sonne geht über dem meer auf. von eurem balkon hat man eine unbeschreibliche aussicht. ich stehe auf, ziehe den vorhang weg und bemerke wohlwollend, dass du hinter mir stehst, deine arme um mich legst, deinen kopf auf meine schulter stützt. es ist viel zu schön. beinahe schon unreal.
deine beiden mädels schlafen bereits, doch wir reden uns um kopf und kragen.
"hattest du schon was mit jemandem in diesem urlaub?"
erinnerugen kommen hoch. er war viel zu stark. ich war viel zu leicht. er hat mich auf die liege geworfen. viel zu hart.
"ich bin fast vergewaltigt worden. security leute kamen, haben mich gerettet, wollten mich mit zur polizeistation nehmen..."
dein blick wird leer.
"hattest du denn schonmal was mit anderen männern?"
"ja. und du?"
"nein."
"und mit frauen..?"
ich will es wissen, muss es wissen. du sprachst von ehrlichkeit und genau das erwarte ich von dir in diesem augenblick.
"nein... du warst meine erste. ich wollte auf die richtige warten."
du drehst meine welt um. alle meine erwartungen, meine ganze hoffnung liegt nun in dir.



"versprichst du mir was?"
"ja."
"alles?"
"ja."
"egal was?"
"ja."
mit dir würde ich bis ans ende der welt gehen.
"du darfst dich nie wieder ritzen. das passt nicht zu dir, das entstellt dich. du bist so hübsch. ich mag eigentlich keine braunen augen und auch keine piercings, aber dir steht das so gut. bitte, versprich mir das."
"ich verspreche es dir."


ihr bleibt noch drei weitere tage, doch die magie ist verschwunden. du gehst mir aus dem weg, beachtest mich nicht mehr. du seist eigentlich total schüchtern, erklären mir deine mädels. normalerweise hättest du dich das niemals getraut, sagen sie. was bleibt, sind gespräche zu viert, fünft, mit der ganzen gruppe. abende voller spaß. doch meine gedanken sind besetzt von dir. alle annäherungsversuche bleiben unbeachtet.
irgendwann raste ich aus, renne in mein zimmer, will alleine sein, muss alleine sein. jegliche gegenstände in meiner reichweite landen an der wand. unsere klimaanlage habe ich bereits zerstört. ich schreie, schlage um mich, sitze irgendwann vollkommen weinend auf dem boden der dusche und lasse bloß heißes wasser über mich regnen.
jemand haut gegen die zimmertür, ruft meinen namen, tritt dagegen. die ganze luft riecht nach angst. ich kann kein handtuch finden, schnappe mir irgendetwas, hoffe, es ist nicht der securitymann, der mich rauswerfen will, weil ich zu laut war, sich jemand beschwert hat.
du bist es.
du nimmst meine arme, betrachtest sie voller panik. das kann ich in deinen augen lesen. ich falle in deine arme, mein handtuch auf den boden. still tropfen meine haare dein t-shirt nass, still fallen meine tränen auf deine schulter.
"ich bin anstrengend und kompliziert. so bin ich und das weiß ich auch. es tut mir leid."
"ich bleibe so lange bei dir, bis du eingeschlafen bist."
ich liege im bett, du daneben. ich unter meiner bettdecke, du unter deiner. ich will nicht schlafen, beobachte dich aus dem augenwinkel. irgendwann glaubst du, ich schlafe und verlässt mein zimmer.



wir wollten uns treffen, wenn wir wieder in deutschland sind. aber das ist keine gute idee, nicht für mich.
ich wünschte, ich wäre tot. einfach so.
ich wünschte, ich hätte die kontrolle über alles behalten.
ich habe angst. so große angst. mehr als sonst, weil ich wieder fett bin, weil ich zwei wochen lang gefressen habe. dulcolax sind schon drin.
ich werde die waage nicht mehr betreten können in absehbarer zeit, weil ich dein versprechen sonst brechen würde. aber was ist es überhaupt wert...? im grunde genommen doch absolut gar nichts.