Freitag, 9. September 2011

zeit


ich bin so müde, bekomme so schlecht luft. höre mein herz in meinem kopf pochen, bei jedem schritt. am schlimmsten ist es, beim treppensteigen. aber ich darf mir nicht anmerken lassen, was es mit meinem körper macht, was ich mit meinem körper mache. was ich ihm antue. was ich mir selbst zumute. nicht jetzt. noch nicht. dafür ist die zeit noch nicht gekommen, also werde ich weiter schweigen und die worte in meinem kopf behalten, sie verstecken, die hilferufe überhören und der essstörung alle macht geben.
ich werde gerettet werden. irgendwann, irgendwie. ich weiß es, denn es war bisher immer so. irgendjemand ist mir immer zur hilfe geeilt, auch in solchen momenten, in denen ich es nicht wollte, in denen ich alles darum gegeben hätte, in ruhe gelassen zu werden.
zu sterben.


ich bin nicht traurig. nicht die ganze zeit über. es sticht bloß in meinem bauch. in meinem herzen. in meinem kopf. es erinnert mich daran, was war, was ich erlebt habe, was ich gesehen und getan habe. es erinnert mich an alle begangenen fehler, an alle misserfolge, alle verluste und alle enttäuschungen. die depressionen sind schwächer geworden, viel schwächer. aber sie sind da. permanent. momentan halten sie sich im hintergrund auf, bereiten sich auf ihren großen auftritt vor, trainieren, damit sie im richtigen augenblick bereit sind, zuzuschlagen.
es ist ein auf und ab. eine achterbahn. wie bergsteigen. hoch und runter. wenn ich hoch steige, mich anstrenge, kämpfe, werde ich belohnt für mein handeln. doch der abstieg lohnt sich nicht mehr, denn ich komme bloß an meinem ausgangspunkt an und fühle mich, als hätte ich mich keinen schritt von der stelle bewegt.

wie oft muss ich mich noch anstrengen, bis ich endlich das erreicht habe, was ich will?
wie lange muss ich noch stark sein und kämpfen?
...und wie lange werde ich dem steigenden druck standhalten können...?

56,6.

1 Kommentar:

  1. man muss immer stark sein, durch und durch.
    ich würde dir so gerne zu jeden post etwas schreiben, aber es wäre immer das gleiche. ich glaube so fest an dich! du wirst es schaffen und wenn ich könnte, dann hätte ich dich schon lange gerettet. ich würde dich so gerne beschützen, bei dir sein und dir helfen, aber eigentlich weiß ich genau, dass das nicht geht, dass nur du dir selbst helfen kannst. du musst es von dir aus wollen, du musst davon überzeugt sein, sonst wird es nicht besser werden.
    ich würd dir auch gern mal ne gehirnwäsche verpassen, dass du endlich siehst wie unglaublich schön und dünn du bist! ich weiß, du fühlst es halt nicht so, aber das kann man lernen, egal wie lange und wie schwer das auch ist, man kann es. und du wirst es schaffen.
    ich hoffe dass du von den drogen loskommst oder es wenigstens nicht mehr so oft machst, sodass du dich auch besser auf die schule konzentrieren kannst. ich hasse schule mehr als alles andere, aber ich gehe hin, weil ich ein ziel habe, weil ich mir fest vorgenommen habe, mein abitur zu packen. du solltest nicht an sachen festhalten, die sich negativ auswirken. natürlich geht das nicht mal einfach so, aber du kannst es versuchen, kämpfe so lange bis du es geschafft hast.
    du wirst auch niemals "normal" sein, alle menschen sind verschieden. ich weiß was du meinst, mir gehts nicht anders, aber das ist einfach so. du bist auf deine eigene art und weise etwas besonderes, schon immer gewesen.
    du bist so wertvoll.

    ich mag dich wirklich sehr und ich wünsche mir nur, dass es dir bald besser geht.
    du kannst es, davon bin ich überzeugt.

    liebste grüße, amy ♥

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