Freitag, 15. Juni 2012
Bald mal endlich ein Anfang
Ich habe mich lange gefragt, ob ich es könnte und ich habe nie daran geglaubt. Ich habe nicht mehr daran gedacht, dass ich das Gefühl des Hungers als abstoßend, schmerzhaft, störend empfinden könnte, nachdem es so lange mein treuer wegbegleiter gewesen ist, meine Kontrolle, meine Sicherheit.
Viel zu lange war es mir unerklärlich, wie man am erst kurz begonnenen Tag, Kalorien zu sich nehmen kann. Ohne groß nachzudenken in der Pause ein Brötchen verdrücken. Früher wäre es unmöglich gewesen: das volle, Fette Körpergefühl, der ziehende, stechende Magen, die abwertenden, angeekelten Blicke, die heimlichen, stillen Worte, die umso lauter klingen, die Gedanken, die sich überschlagen.
Es ist nicht vorbei, wahrscheinlich noch lange nicht. Immer noch kommt es darauf an, was ich zu mir nehme, wie viel, wie gesund ich mich ernähre. Es sind stets die leichten Sachen. Kann ich wählen, gibt es keine Margarine, sondern bloß putenbrust, Gurken, Salat und ein klecks Remoulade. Mehr zur deko, als für den geschmack.
Ich denke nicht an meine Beine, nicht daran, dass die Fülle sich auf wundersame weise verdreifachen kann, nur durch ein prüdes Brötchen.
Vielmehr sind es IHRE Beine, die mir vorschweben. Ich denke daran, dass ich niemals aussehen, wirken oder sein werde wie sie.
Und dann beginnt die Sentimentalität gemeinsam mit der Melancholie ein Lied zu singen. Eine schön-traurige Melodie, ein harter, aussichtsloser Text. Zusammen bewirken sie gelegentlichen, dass die zeit verzieht, eingehüllt in die Wolke der Depression.
Ich esse. Aber gezielt. Gerade genug, um mein Gewicht zu halten, um den Anstrengungen gerecht zu werden. Und, um der Bulimie auszuweichen. Es gibt mittlerweile sogar wieder Tage, an denen ich es schaffe, brechfrei zu bleiben, obwohl der Druck nie nachzulassen scheint und obwohl ich weiterhin eine konstante Anzahl von Tüten täglich rauche.
Irgendwo muss bald mal endlich ein Anfang gefunden werden.
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Du hast den Anfang gefunden und das Ende wirst du auch finden, egal wie lang es dauert.
AntwortenLöschenIch glaube an dich, weil du stark bist. Weil du das Wissen dazu hast.
<3
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