Kommt, wir gehen!
Wir können nicht.
Warum nicht?
Wir warten auf...
(Samuel Beckett - Warten auf Godot)
es ist ein gutes zeichen, dass ihr nichts von mir lest. es ist ein schritt in die richtige richtung. vielleicht lasse ich langsam los. vielleicht entferne ich mich immer weiter von dieser kranken welt, die viel zu lange um mich herum existierte.
aber da mache ich mir etwas vor. sie existiert noch. es gibt sie noch.
___________________
wir hassen die mittagspause. sie ist zu lang, sie ist unnötig. rumstehen, eine nach der anderen rauchen und warten, bis die 60 minuten endlich vergangen sind. ein normaler mensch hat in der mittagszeit hunger, sodass es nicht lange dauert, bis wir in der stadt und vor einem subway laden stehen.
auch ich esse. eine normale portion, ohne normalen hunger. was zählt ist, dass ich es überhaupt tue.
15cm chicken teriyaki erscheinen mir plötzlich verdammt viel. aber es ist machbar. langsam, aber nicht zu langsam, nicht so, dass es auffallen würde, nicht so, dass mir meine gedanken vor jedem bissen ins gesicht geschrieben stünden.
einer der vorteile bei subway ist, dass man sein getränk nachfüllen kann. irgendwann wird sich jede bulimikerin angewöhnt haben, so viel und so schnell wie möglich zu trinken. vor, während und nach dem essen. natürlich kippe ich mir die zweiten 400ml 7up auch noch nach, damit mein bauch in den zwei pädagogik lk stunden zu platzen scheint.
ich bin nervös. zittrig. aufgewühlt.
und das neue thema tut sein bestes, dies zu unterstützen.
"essstörungen unter systemische therapie"
in der fünfminutenpause zwischen den beiden stunden verlasse ich den raum, renne quer durch das halbe gebäude, will nicht die toilette direkt vor dem raum benutzen. ich renne. reiße auf dem weg meine kette und meinen ring von mir, stopfe alles in die hosentasche. auf der toilette die ernüchterung: ich bin nicht allein, nicht ein einziges mal in den zehn minuten, die ich dort verbringe. hoffend, flehend. 'sie sollen alle verschwinden!' ich kann nicht mehr. bin so voller druck, fühle mich zwei zentner schwerr als am morgen.
aber ich bringe es nicht über mich. zu groß ist die scham, in der schule erwischt zu werden, zu groß ist die angst, dass mich jemand hören könnte, der mich kennt.
_________________________
solange du versuchst abzunehmen, obwohl du schon im untergewicht bist, solange du dich von pro ana seiten und slogans verarschen lässt, weißt du nicht, was magersucht wirklich ist.
magersucht ist abzunehmen, ohne es zu wollen, abzunehmen, obwohl du eigentlich zunehmen willst, abzunehmen, unabhängig davon, ob du deine kalorienbilanz einhalten kannst.
fünf bis sechzehn Prozent der magersüchtigen sterben. die hälfte davon an suizid.
nicht, weil sie ihr zielgewicht nicht erreichen, sondern weil sie den kampf aus der sucht heraus aufgegeben haben.
Ich hoffe so sehr, dass du die Esstörung irgendwann gehen lassen kannst. Ich denke so oft an dich - jeden Tag und ich hoffe immer, dass es dir wohl in dem Momentan vielleicht etwas besser geht .. du hast es verdiengt! Ich hab dich doch so lieb ..! <3
AntwortenLöschenUnd zu dem allerletzten Teil: Ich hoffe so sehr, dass du niemals aufgeben wirst, egal, wie schwer es wird, denn du bist wunderbar und du hast es verdient, zu leben und glücklich zu sein und verdammt noch mal nicht immer daran denken zu müssen, wie dick du bist oder dass du wohl zu viel gegessen hast. Du hast es verdient, unbeschwert, frei zu leben. Ohne den ganzen Dreck. Vergiss das bitte nie!
AntwortenLöschen