Donnerstag, 29. Dezember 2011

those nights

es sind die nächte, die mich fertig machen, mir kraft rauben, von der ich nicht wusste, dass ich sie besitze. diese einsamen stunden, allein, in meinem viel zu großen bett, während meine gedanken anfangen zu rasen. unkontrollierbar, aufdrängend. 
wenn die bilder der nahrungsmittel zum ersten mal vor mein geistiges auge treten, habe ich bereits verloren. der sieger dieses kampfes steht von anfang an fest, als wäre es vorbestimmt. es ist gleichgültig, wie sehr ich mich dagegen wehre, wie viel mentale kraft ich aufbringe, die bulimie und das verlangen nach essen gewinnt beinahe jede schlacht, unabhängig davon, die wie vielte es an diesem tage sein mag. 


es ist nicht schön und vor allem macht es schon lange keinen spaß mehr. es war einmal ein spiel, ein kräfte messen, ein machtkampf. ich habe die bulimie für meine zwecke genutzt, missbraucht, um unnötige kalorien wieder loszuwerden, doch ich habe die kontrolle verloren. am anfang war es die genugtuung, wenn mein geist, mein wille über meinen körper entschieden hat, ihn formte, ihn ausbeutete. mittlerweile ist es bloß noch die niederlage meines unnützen körpers über meinen verstand, über meine seele, die schreit und versucht, gegen diese unausstehliche, scheinbar unbesiegbare kraft, anzugehen. 
ich glaube, im grunde genommen, hat meine krankheit nichts mehr mit disziplinlosigkeit zu tun, für die ich mich jeden tag mehr verachte und hasse. nein, disziplinlos bin ich nicht, denn ich kann aufgaben, die wichtig sind zeitnah erledigen, ich kann meine reserven auskosten und ruhm ernten. 
nur in diesem einzigen falle gelingt es mir nicht.


gestern nacht, als ich bereits die zweite fressorgie mit erbrechen hinter mich gebracht hatte, lag ich wach, wieder einmal. mein körper war schon längst auf den erholsamen schlaf eingestellt und ich wollte nichts mehr, als in die naive welt des traumes eintauchen und vergessen. wie zu erwarten, meldete sich mia frühzeitig, doch ich wollte ihr den triumph nicht lassen, wollte mir nicht vorstellen, die kalorien, von denen ich bereits mehr oder weniger fantasierte, in mich aufzunehmen, wollte meinem körper nicht noch einmal die anstrengende prozedur antun, also fing ich an, laut mit mir selbst zu sprechen, als säße ein therapeut vor mir, der mir zuhört, mich analysiert.
ich wollte das gespräch aufzeichnen, es abtippen, damit ich es so schnell nicht aus meinem gedächtnis lösche, doch ich habe es nicht mehr geschafft. irgendwann schlief ich einfach ein, ohne vorwarnung. heute morgen musste ich erst einmal sehr genau nachdenken, ob ich es getan habe oder nicht, ob es wirklichkeit war oder traum, doch es war real. 

ich bin gestern an einen punkt gekommen, an dem es für mich nicht weitergeht.
ich bin kein freund des lebens, das war ich noch nie. ich sehe den zugrundeliegenden sinn nicht, der mir allzu wichtig erscheint. ich verachte und bewundere die menschheit gleichzeitig für ihre unglaubliche überlegenheit, mit der sie alles in ihrer umgebung zerstört. 
ich kann in meinem kopf stundenlang über die menschheit philosophieren, doch keine worte der welt reichen aus, um das, was ich von ihr halte, was ich von ihr denke, nieder zu schreiben.
der springende punkt ist, dass ich lieber tot wäre, als der bulimie weiterhin so zu unterliegen und da ich es alleine nicht schaffe, von ihr loszukommen und keine möglichkeit habe, in nächster zeit intensive unterstützung anzunehmen, bleint wohl nur eines: auf den erlösenden, freiheitsschenkenden, ruhebringenden tod meiner selbst zu warten.


entschuldigt den langen post. eigentlich wusste ich gar nicht, was ich schreiben soll. naja, so etwas kommt wohl dabei raus, wenn man einfach drauf los schreibt. 
ich habe genug dope, um diesen abend hinter mich zu bringen und vielleicht, ganz vielleicht, sieht die welt morgen ja ein wenig anders aus. haha, wer's glaubt.

ach, wie gefällt euch mein neues design?
header-photo wie immer selbst gemacht!

3 Kommentare:

  1. Wunderbares, neues Design. Wie immer stilvoll, genau wie du.
    Lese ich deine Gedanken, dann beginnt ein nie endendes Rauschen in meinem Schädel, denn die Stimmen, sie rufen wie wild durcheinander und wiederholen verzweifelt das zuvor Gelesene. Du kannst ganz wunderbar reflektieren.. und du fühlst wie ich..

    AntwortenLöschen
  2. ich liebe dein neues design!
    Wie meinst du das mit, dass du wüsstest wo, nur wann noch nicht fest steht? ..
    ich wäre so gerne für dich da, aber irgendwie kann ichs nicht und ich weiß ganz genau, was du mit der bulimie meinst, liebling!

    AntwortenLöschen
  3. grausam traurig.
    Bleib du schön hier! Was würden wir alle nur ohne dich tun? Das ist nicht der Punkt. Wir sind egal, es geht um DICH.
    Die Frage ist.. was willst du?
    Den Tod, wovon du nicht einmal weißt, was es wirklich ist (außer du bist so gläubig, dass du das glaubst, was man so liest) oder Ruhe von dieser endlosen Lebensscheiße. Ich kenne jemanden, der ist felsenfest davon überzeugt, dass es ein 'Leben nach dem Tod' gibt, dass man da einfach weiterlebt, nur auf einer anderen Ebene, dass Selbstmöder auf DIESER Erde gefangen bleiben, bis sie jemand erlöst, der sie sieht, aber davon gibt es kaum Menschen. Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Ich weiß nicht, was ich von all dem halten soll, aber ich weiß, weshalb ich nicht sterben möchte. 1000e von Möglichkeiten gibt es. Und diese. Sterben. Sterben bedeutet Ungewissheit. Was, wenn dann alles noch schlimmer wird? Was, wenn es genau so weitergeht, nur woanders? ..

    Nutze die 'Möglichkeiten' des Lebens.
    Ich kann es ja auch nicht.. aber ich behalte mir das immer im Hinterkopf und bin davon überzeugt, dass es diese guten Möglichkeiten gibt.

    Du bist mir sehr wichtig, Julia <3

    AntwortenLöschen