Dienstag, 26. Juni 2012

ich war einmal ein schmetterling...

übrig bleiben zwei optionen: erwachsen werden und mit der welt klar kommen oder der tod. 
es ist an der zeit sich von den fesseln zu lösen, die mich halten, zurück ziehen, die mich gewaltsam tag für tag in die vergangenheit reißen wollen.
der mensch ist ein gewohnheitstier.
alles ist gewohnheit. die essstörung ist gewohnheit, die depression ist gewohnheit, die angst ist gewohnheit. 
man kann sich daran gewöhnen zu hungern, zu verschwinden, stück für stück, daran, das bett nicht mehr zu verlassen, den tag nach den drogen auszurichten und in dunkelheit umherzutreiben, ohne ein ziel vor augen ausmachen zu können.

aber irgendwann ist es genug.
man kann sich ebenso daran gewöhnen, regelmäßig eine mahlzeit zu sich zu nehmen, daran, sein bett nicht im zehn minutentakt zu verlassen, um im haus umherzuschleichen und aus den schränken alles schmackhafte zu kramen, was auffindbar ist. 

eine gewohnheit, eine routine aus seinem alltag zu streichen, ist nicht einfach. es ist mit angst verbunden, mit zweifeln und sorgen. doch diese gefühle sind normal. und aushaltbar. 

solange man es nur versucht!
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ich möchte heute keine aktuellen photos posten, ich möchte euch und mich an zeiten erinnern, in denen ich froh war. vielleicht nicht glücklich und auch nicht komplett gesund, vielleicht auch zu dick, vielleicht auch zu jung. ich weiß es nicht. aber ich war in der lage zu leben, anstatt orientierungslos einen sinn zu suchen. 
und dort möchte ich wieder hin.

ich war einmal ein schmetterling.
es gab schon immer buntere, schillerndere, als mich,
aber ich konnte mithalten, 
hatte ausdruck.
im moment bin ich wieder in meinem kokon,
gefangen unter meiner eigenen haut. 






















 

 

Mittwoch, 20. Juni 2012

This is it

mensch sein - leben


 ich weiß nicht, wie oft ich es wiederholen muss, wie oft ich es noch wiederholen kann. die existenz als menschliches wesen gefällt mir nicht. dieses leben passt mir nicht. nicht bloß mein eigenes leben, überhaupt zu leben. 
this is it
aber was genau ist es? wofür tue ich mir das alles an?
die sinnfrage. wieder einmal geht es darum. sein oder nicht sein. wenn ihr mich fragt: ich wäre lieber nicht. 
glück, freude, liebe. für einen moment kann alles schön sein, für einen augenblick kann alles vollkommen sein, aber die meiste zeit ist es das nicht. nicht einmal ansatzweise. 
es ist ein ernüchternder kampf, im grunde genommen ein unwichtiger noch dazu. 


ich kann nicht einschlafen, spiele alle unterhaltsamen und alle langweilenden spiele auf meinem iphone, lege eine bibi blocksberg cd ein, in der hoffnung, irgendwann ruhe zu finden. ich schaue den minuten zu, die verstreichen, spüre die biologie aufzeichnungen neben mir im bett, weiß, dass ich den schlaf brauche, um meine leistung erbringen zu können. die letzte klausur für dieses schuljahr, die letzten wichtigen punkte bis zu den sommerferien. 
irgendwann funktioniert es und die decke der nacht fällt über mich für kurze zeit. dann wache ich auf, schweißgebadet. stinkendes, ausnüchterndes wasser auf meiner haut, meiner kleidung, meinem bett. ich muss mich ausziehen und fange sogleich an zu zittern. 
jedes mal, wenn ich meine augen wieder schließe, überfallen mich die träume nach einem haufen gras in meinem zimmer. er ist schön, er ist groß. und er ist eine illusion.


wie konnte ich auf die idee kommen, gleichzeit die bulimie los werden zu wollen und "clean" zu werden? wie in aller welt kam dieser geistesblitz in mein hirn? der drogenkonsum verstärkt die essstörung, ja. das kann ich akzeptieren, mittlerweile. aber ich habe mir wohl den ungünstigsten moment ausgesucht, mich neu zu erfinden. jeder rückschlag bedeutet regression und niederlage. 
jeder druck verlangt danach, ausgelebt zu werden.

ich fühle mich so fett, so ekelhaft. ich will wieder runter, am liebsten unter runter. so weit unten, wie nur möglich. und während ich das denke, mischt sich die vernunft ein und flüstert mir leise ins ohr, dass mich niemand will, so dünn, so dürr, so mager, so hager. doch auch so will mich niemand. 
warum also nicht.

Freitag, 15. Juni 2012

Bald mal endlich ein Anfang

Ich habe mich lange gefragt, ob ich es könnte und ich habe nie daran geglaubt. Ich habe nicht mehr daran gedacht, dass ich das Gefühl des Hungers als abstoßend, schmerzhaft, störend empfinden könnte, nachdem es so lange mein treuer wegbegleiter gewesen ist, meine Kontrolle, meine Sicherheit.  Viel zu lange war es mir unerklärlich, wie man am erst kurz begonnenen Tag, Kalorien zu sich nehmen kann. Ohne groß nachzudenken in der Pause ein Brötchen verdrücken. Früher wäre es unmöglich gewesen: das volle, Fette Körpergefühl, der ziehende, stechende Magen, die abwertenden, angeekelten Blicke, die heimlichen, stillen Worte, die umso lauter klingen, die Gedanken, die sich überschlagen.  Es ist nicht vorbei, wahrscheinlich noch lange nicht. Immer noch kommt es darauf an, was ich zu mir nehme, wie viel, wie gesund ich mich ernähre. Es sind stets die leichten Sachen. Kann ich wählen, gibt es keine Margarine, sondern bloß putenbrust, Gurken, Salat und ein klecks Remoulade. Mehr zur deko, als für den geschmack.  Ich denke nicht an meine Beine, nicht daran, dass die Fülle sich auf wundersame weise verdreifachen kann, nur durch ein prüdes Brötchen.  Vielmehr sind es IHRE Beine, die mir vorschweben. Ich denke daran, dass ich niemals aussehen, wirken oder sein werde wie sie.  Und dann beginnt die Sentimentalität gemeinsam mit der Melancholie ein Lied zu singen. Eine schön-traurige Melodie, ein harter, aussichtsloser Text. Zusammen bewirken sie gelegentlichen, dass die zeit verzieht, eingehüllt in die Wolke der Depression.  Ich esse. Aber gezielt. Gerade genug, um mein Gewicht zu halten, um den Anstrengungen gerecht zu werden. Und, um der Bulimie auszuweichen. Es gibt mittlerweile sogar wieder Tage, an denen ich es schaffe, brechfrei zu bleiben, obwohl der Druck nie nachzulassen scheint und obwohl ich weiterhin eine konstante Anzahl von Tüten täglich rauche. Irgendwo  muss bald mal endlich ein Anfang gefunden werden. 

Dienstag, 5. Juni 2012

Euphoria

Kommt, wir gehen!
Wir können nicht.
Warum nicht?
Wir warten auf...
(Samuel Beckett - Warten auf Godot)

es ist ein gutes zeichen, dass ihr nichts von mir lest. es ist ein schritt in die richtige richtung. vielleicht lasse ich langsam los. vielleicht entferne ich mich immer weiter von dieser kranken welt, die viel zu lange um mich herum existierte. 
aber da mache ich mir etwas vor. sie existiert noch. es gibt sie noch.

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wir hassen die mittagspause. sie ist zu lang, sie ist unnötig. rumstehen, eine nach der anderen rauchen und warten, bis die 60 minuten endlich vergangen sind. ein normaler mensch hat in der mittagszeit hunger, sodass es nicht lange dauert, bis wir in der stadt und vor einem subway laden stehen. 
auch ich esse. eine normale portion, ohne normalen hunger. was zählt ist, dass ich es überhaupt tue. 
15cm chicken teriyaki erscheinen mir plötzlich verdammt viel. aber es ist machbar. langsam, aber nicht zu langsam, nicht so, dass es auffallen würde, nicht so, dass mir meine gedanken vor jedem bissen ins gesicht geschrieben stünden. 
einer der vorteile bei subway ist, dass man sein getränk nachfüllen kann. irgendwann wird sich jede bulimikerin angewöhnt haben, so viel und so schnell wie möglich zu trinken. vor, während und nach dem essen. natürlich kippe ich mir die zweiten 400ml 7up auch noch nach, damit mein bauch in den zwei pädagogik lk stunden zu platzen scheint. 
ich bin nervös. zittrig. aufgewühlt. 
und das neue thema tut sein bestes, dies zu unterstützen. 
"essstörungen unter systemische therapie"
in der fünfminutenpause zwischen den beiden stunden verlasse ich den raum, renne quer durch das halbe gebäude, will nicht die toilette direkt vor dem raum benutzen. ich renne. reiße auf dem weg meine kette und meinen ring von mir, stopfe alles in die hosentasche. auf der toilette die ernüchterung: ich bin nicht allein, nicht ein einziges mal in den zehn minuten, die ich dort verbringe. hoffend, flehend. 'sie sollen alle verschwinden!' ich kann nicht mehr. bin so voller druck, fühle mich zwei zentner schwerr als am morgen. 
aber ich bringe es nicht über mich. zu groß ist die scham, in der schule erwischt zu werden, zu groß ist die angst, dass mich jemand hören könnte, der mich kennt.

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solange du versuchst abzunehmen, obwohl du schon im untergewicht bist, solange du dich von pro ana seiten und slogans verarschen lässt, weißt du nicht, was magersucht wirklich ist. 
magersucht ist abzunehmen, ohne es zu wollen, abzunehmen, obwohl du eigentlich zunehmen willst, abzunehmen, unabhängig davon, ob du deine kalorienbilanz einhalten kannst. 

fünf bis sechzehn Prozent der magersüchtigen sterben. die hälfte davon an suizid. 
nicht, weil sie ihr zielgewicht nicht erreichen, sondern weil sie den kampf aus der sucht heraus aufgegeben haben.