Sonntag, 20. Januar 2013

gedankenfetzen


es gibt die einen - und die anderen. 

die einen sind alle diese, die es schaffen, ihre fesseln zu lösen, ob es ist, weil sie früh genug kompetente hilfe bekommen haben oder aber, weil es sich 'ausgewachsen' hat, ist dabei vielleicht nicht wichtig. es sind diese, die es schaffen, ein leben zu leben.

die anderen sind jene, deren schiff niemals wieder den heimathafen erreichen wird, die gefangen sind auf hoher see, mit unrdurchdringbaren bergen von wellen, die überflutet werden, deren SOS nicht das rettende ufer erreicht. selbst bei ruhiger see ist 'kein land in sicht', sondern immer bloß 'ein mann über bord'.

sich ständig anders fühlen und im grunde nicht zu wissen, wieso. auf der flucht sein vor sich selbst und dabei die zeit aus den augen zu verlieren. 

ich finde keine worte, weil ich sie alle schon verwendet habe, um zu erklären, was los ist, was nicht stimmt, was normalität ist. ich wiederhole mich durchgehend, obwohl es sich so gleich und so fremd anfühlt, so neu und so gewohnt, als würde es mir gerade erst auffallen, als wäre ich nicht schon die letzten jahre damit beschäftigt gewesen, irgendwie damit klar zu kommen. 
ich komme nicht damit klar. aber das wissen sie nicht. das weiß niemand.

sich fühlen, wie neu geboren. dafür müsste man erst sterben. 
der mut fehlt mir, der mut.

ich würde gerne in eine klinik gehen nach dem abi, doch dafür habe ich keine zeit. die hat mich nämlich nicht bloß überholt, sondern bereits überrundet. 
ich bin verzweifelt. in meinem kopf rauscht es, gedanken, die ich nicht mehr los werde. was, wenn du einfach einen suizidversuch machst, bloß, um sofort ruhe zu bekommen, um sofort in eine klinik zu kommen, um alles zu umgehen, um endlich hilfe zu haben? ich finde einfach keinen weg. 
und ich kann nicht mehr.



Mittwoch, 16. Januar 2013

angst-ridden

stress macht einen anderen menschen aus mir, engt mich ein, lässt mich brodeln im innern. genau dann, wenn ich keine einzige sekunde übrig habe, fange ich an zu essen und höre nicht mehr auf, bis ich beinahe platze. 
seit dem ist nicht bloß meine gefühlswelt leer, sondern auch noch mein kopf. seit stunden halte ich mich mit den unwichtigsten sachen auf, nur um die dinge, die wirklich erledigt werden sollten, zu umgehen. ich werde morgen meine mündliche abiturprüfung simulieren müssen, thema molekulare genetik. ich habe so angst davor, es nicht zu schaffen, die erwartungen nicht zu erfüllen, mich vor dem kompletten kurs zu blamieren. obwohl ich weiß, dass ich das gröbste können müsste, obwohl ich weiß, dass es auf nichts ankommt, obwohl ich weiß, dass es so viel schlimmeres gibt, obwohl ich weiß, dass sie uns damit helfen, uns vorbereiten wollen, existiert in meiner vorstellungswelt gerade nichts schrecklicheres, als diese prüfung. 

mir ist so kalt und ich habe bauchschmerzen. und ich halte mich selbst vom schlafen ab, weil ich mir dann einreden kann, ich müsste nicht zur schule.

kann kaum mehr denken, bin gelähmt von der leere, eingesperrt von den fesseln meiner selbst, finde keinen ausweg, kein ventil, das irgendetwas aufwerten könnte. weiß nicht wohin, außer zurück. muss gezwungen werden zu allem und meide jeden. 
habe gestern nochmal die therapeutin angerufen und hoffe doch wohl vergeblich auf eine antwort, werde zurück geworfen zu den fragen.

was ist nur falsch gelaufen mit mir?



Montag, 14. Januar 2013

as I am

heute ist ihr letzter abend, heute wird sie uns verlassen, weil sie ihr abitur nicht packt, weil die punkte nicht reichen. weil wir seit zwei einhalb jahren paffen und sonst nichts tun. 
während die anderen trauern, weinen, sitze ich bloß hier und weiß nicht recht, welches gefühl angemessen wäre, welche gedanken tragbar sind. kann nicht ausdrücken, was in mir ist, weil nichts da ist. keine trauer, keine freude, obwohl vielleicht beides angebracht wäre, beachtet man, was sie mir die letzten jahre angetan hat. wir waren die besten freundinnen, die man sich vorstellen kann. dann hat sie mich ersetzt, ohne vorwarnung, während ich anfang 2011 in der klinik war und ums überleben gekämpft habe. ich kam wieder - und es war kein platz mehr für mich. so ging es weiter, auf und ab. aus sieben mädels wurden fünf. dann vier und ich, dann zwei und drei. dann drei und zwei, dann irgendwann wieder fünf. und ab heute schließlich nur noch vier. 
ich weiß, wie es ablaufen wird. sie werden alle weinen, sie werden sie alle vermissen. und ich werde wieder einmal bloß teilnahmslos daneben sitzen, während mir mein verstand vermittelt, dass ich traurig sein sollte, während meine augen sich anstrengen, doch ein paar krokodilstränen heraus zu drücken. irgendwann werde ich meinen arm um eine von ihnen legen und ihre haare küssen, einfach um ihr das gefühl zu geben, dass sie nicht alleine ist, dass ich sie verstehe und um vorzugeben, ich wäre wirklich betroffen. 
ich glaube nicht, dass ich auch nur noch eine einzige 'freundin' hätte, wäre ich nicht teil dieses Clans, dieses systems, das sich immer nur um sich selbst dreht, ohne auch nur in erwägung zu ziehen, jemand anderem raum zu geben. 

"wie viel raucht ihr eigentlich?"
"nur am wochenende." jeden tag mehrere tüten.
"und wie lange schon?"
"so seit nem jahr?" seit zwei einhalb jahren.
"naja, da kann ich dir nur sagen, dass die jungs viel mehr rauchen als ihr." hahaha.

selbstdiagnosen sind toll. daran kann ich mich immer wieder erfreuen. wie wäre es zum beispiel mal mit der schizoiden persönlichkeitsstörung in kombination mit der borderline persönlichkeitsstörung? traumhaft.

auf in den kampf!









Montag, 7. Januar 2013

Mirror on the wall, here we are again

You lookin' at me, but I'm lookin' through you 
I see the blood in your eyes  
I see the love in disguise  
I see the pain hidden in your pride  
I see you're not satisfied  
And I don't see nobody else I see myself

(Lil Wayne ft. Bruno Mars - Mirror)

es ist kein rückschlag, es ist ein rückschritt, ein zustand. kein "hey, morgen wird es wieder besser", kein "nach dem abi geht das leben erst richtig los". ich verfluche jeden morgen und hoffe jeden abend, einfach nicht mehr aufzuwachen. es ist nicht bloß, als hätte ich keine lust, es ist so viel mehr Nichts.

heute morgen sagt eine lehrerin, wir hätten unser ganzes leben noch vor uns, es wäre toll, wir sollten uns freuen. in mir zieht sich alles zusammen, zu einem festen knäuel, von dem ich weder anfang noch ende finden kann und es auch gar nicht erst versuche. tränen schießen mir in die augen, weil ich mit jedem atemzug merke, dass mit mir etwas nicht stimmt, nicht so läuft, wie es sollte, dass ich anders bin. nicht anders besonders, viel eher anders unpassend, störend, kaputt?
ich will mein leben nicht. ich will keine neuen erfahrungen machen, keinen neuen menschen begegnen, meine fähigkeiten nicht unter beweis stellen, nicht verantwortlicher für mich selbst sein, als ich es jetzt bin.
es ist so anstrengend jeden neuen tag in angriff zu nehmen und gleichzeitig immer gegen die gedanken kämpfen zu müssen, das alles eigentlich nicht zu wollen und nie gewollt zu haben. 

man sagte mir einmal, sie hätten mir mein leben gerettet. das haben sie nicht. sie haben mich zurück auf diese welt geholt, haben mich mit medikamenten betäubt, damit ich so angepasst war, dass ich ansatzweise in der welt zurecht kam. gerettet haben sie mich nicht. nicht ein einziges mal, bei all ihren versuchen.
ich glaube mittlerweile, dass es menschen gibt, die nicht dafür gemacht worden sind, auf dieser erde zu verweilen. wenn doch jede minute eine qual ist, wenn doch jeder schöne moment, jedes gefühl, überschattet wird, von dem dringenden verlangen, den löffel abzugeben oder einfach so lange bewegungslos und stumm zu verharren, bis meine organe ihre funktion einstellen. 

ich schaffe es nicht, noch 50, 60, 70 jahre auf meinen tod zu warten, ihn herbei zu sehnen und mich bis dahin jede sekunde zu zwingen, das leben auszuhalten, einfach zu warten, bis es zu ende geht. und ich finde keine motivation irgendetwas zu tun, weil doch alles sinnlos ist.


früher dachte ich immer, es gäbe diesen einen menschen, der mir nur in die augen zu schauen braucht und versteht, mich kennt und mein leben wertvoll macht. ich habe diese chance, aber ich kann sie nicht annehmen. nach einem tag nähe brauche ich eine ganze woche alleine, zum kompensieren, zum durchatmen. selbst ein treffen in der woche engt mich ein, bringt mich zum verzweifeln. ich verletze ihn so sehr damit, ich weiß es. mit meinem schweigen, meinem verhalten, meinem plötzlich durchbrechenden negativen teil, meiner herzlosen kälte, gleichgültigkeit.
aber im grunde genommen, ist mir auch das verdammt egal.