Montag, 8. Oktober 2012

(to) obey - gehorchen

top - camdenlock market, London,
jacke - (abgeschnitten) H&M
uhr - Fossil
hose - review
strumpfhose - H&M
schuhe - Adidas


tagelang habe ich es nicht aus dem bett geschafft, bloß geschlafen, gefressen und gekifft. ein teufelskreis, der die gedanken nie ruhen lässt, der mich unendlich müde und kraftlos macht. und wenn ich es dann doch schaffe, aus dem bett zu kriechen, tue ich alles, damit mir niemand ansieht, was ich mir antue. 
gehorchen, mehr nicht.
ja, ich gehorche: der depression, der magersucht, der bulimie.


und wieder bin ich fett, fett, fett. ekelerregend.
ich wundere mich darüber, dass mir die hose wieder passt, denn das tat sie lange zeit nicht. sie kneift noch ein wenig beim sitzen, aber ich bin wenigstens in der lage, mein fett hinein zu quetschen. 

blicke, die mich verfolgen. ein alter sack, ein assozialer ausländer. mal fühle ich mich so dick, dass es mich wundert, dass ich sie nicht anrempele, bei dem versuch, unsichtbar an ihnen vorbei zu gelangen und manchmal fühle ich mich so dünn, dass ich denke, ihnen eigentlich gar nicht aufzufallen.
dabei sehe ich doch, dass ich abgenommen habe. nur die waage, die sieht das ganz anders.

Freitag, 5. Oktober 2012

at night we're waking up the neighbours, while we sing away the blues...


You've got the words to change a nation  
but you're biting your tongue  
You've spent a life time stuck in silence 
 afraid you'll say something wrong  
If no one ever hears it 
how we gonna learn your song?  
So come, come on  
Come on, come on  
You've got a heart as loud as lions  
So why let your voice be tamed?  
Baby we're a little different there's no need to be ashamed  
You've got the light to fight the shadows  
so stop hiding it away

(Emelie Sandé - Read all about it Part III)


umgeben von menschen, die ich liebe, die mich lieben - und doch so allein. 
während die anderen lachen und spaß haben, fühle ich mich, als wäre ich gar nicht da. ich bewege meine mundwinkel im richtigen augenblick nach oben, ich gebe antworten auf spärliche fragen, doch ich bin nicht wirklich dabei, habe eher das gefühl eines außenstehenden beobachters. es fällt mir zunehmend schwerer, soziale kontakte zu pflegen. beachtet man, dass ich ebenso wenig neue menschen kennenlernen kann/möchte/werde, bin ich wohl bald hier ganz allein. ich verliere nicht nur mich selbst, sondern auch alle anderen um mich herum. aber wie sollen sie mir auch helfen, mich stützen, wenn ich doch kein wort sage, über das, was mich bedrückt und darüber, dass die krankheit wiederkehrt?  
manchmal kommt ein gefühl in mir auf, dass ich nicht in worte fassen kann. es ist schwere und leere gleichzeitig, der wille voran zu kommen und der wille so schnell wie möglich zu flüchten. meie gedanken und mein körper wehren sich gegen die stimme der vernunft, die eigentlich weiß, was zu tun ist. auch die magersucht weiß, was zu tun ist. ich komme an einen punkt, an dem ich noch nie war. nicht die bulimie bringt mir die zweifel, nein, es ist die unfähigkeit zu essen. ich kann es einfach nicht mehr. mir wird schlecht nach wenigen bissen, ich bekomme magenschmerzen nach wenigen kalorien. ich habe nicht einmal mehr appetit und innerlich feiert die essstörung eine exzessive party, feiert sich selbst und mich, weil ich mich ihr untergebe, ohne an eine andere möglichkeit auch nur zu denken. nein, tief in mir drin, freut sich ein teil meiner selbst sogar darüber. die anorexie ist in meiner gedankenwelt immer noch so viel positiver sanktioniert, als ein gesunder körper, als eine gesunde psyche, als der blick in die zukunft.   
und auch, wenn ich noch so viel darüber weiß, ich kann nichts verändern. vielleicht liegt es auch daran, dass ich so viel darüber weiß. ich habe das wissen, was die krankheit ist und auch, wie man dagegen angeht. eigentlich weiß ich ganz genau, was zu tun ist..  ich will nicht mit mitte 20 immer noch hier sitzen und über mein leben schreiben, als wäre ich selbst eine schlechte romanfigur, die auf ein happy end wartet, das nie eintreten wird. aber vielleicht ist das meine bestimmung, vielleicht muss es so sein.  wenn mir doch nur jemand die verantwortung nehmen könnte über mich und meine zukunft. über mein leben. jemand, der mich an die hand nimmt, wie ein kleines kind, denn das bin ich immer noch irgendwo. noch lange bin ich nicht so erwachsen, wie ich wirke, wie ich vielleicht auch sein sollte, mit neunzehn einhalb jahren auf dem buckel.   

ich weiß nicht, wie es weitergeht, kämpfe mich durch die tage, versuche sie durchzustehen und meine aufgaben zu erfüllen, um dann irgendwann bloß stundenweise schlafen zu dürfen. 





Samstag, 29. September 2012

relive your darkest moments




Regrets collect like old friends
Here to relive your darkest moments
I can see no way, I can see no way
And all of the ghouls come out to play
And every demon wants his pound of flesh
But I like to keep some things to myself
I like to keep my issues drawn
It's always darkest before the dawn

And I've been a fool and I've been blind

I can never leave the past behind
I can see no way, I can see no way

(Florence and the Machine - Shake it out)

irgendwie macht das alles einen sinn.

Rezidivierende Episoden, F 33.1: Saisonal depressive Störung / Saisonal affektive Depression (SAD)

es ist ein muster, zusammengelegt aus scherben, einzelteilen. immer wieder werde ich gepackt und gelähmt von der depression, die mich zwingt, zu sein, wie mein verstand nicht sein will:  traurig, unmotiviert, müde, überfordert, angestrengt. todessehnend.
es geht mir nicht gut, wirklich nicht. aber es ist erst der anfang, der beginn der spiele. wer siegt und wer verliert steht noch nicht geschrieben.


ich weiß nicht, wie viele minuten vergangen sind. noch immer sitze ich im auto, an dieser verlassenen straße. sie ist dunkel, um mich herum scheint alles eingeschlafen zu sein, alles, außer mir. 
ich atme. ich will luft holen, doch es fühlt sich an, als entspanne sich meine lunge nicht mehr, als bleibe die spannung, der druck vorhanden, auch wenn ich alle luft aus meinen lungen presse. es fühlt sich an, als bekäme ich nicht genug luft. mein herz beginnt zu schlagen, klopft warnend in meinem kopf. 
"jetzt oder nie. steig aus, spring aus dem gebüsch vor ein vorbeifahrendes auto, aber tu's einfach endlich." YIRUMA - A RIVER FLOWS IN YOU klingt aus den lautsprechern. ich schaue panisch aus jedem fenster, habe das gefühl, hier nicht mehr alleine zu sein. doch ich bin es. komplett abgeschottet von der außenwelt, niemand weiß, dass ich hier bin. niemand.
ich werde ruhig, konzentriere mich auf meine atmung, kann nicht mehr richtig denken, fühle nur noch diesen käfig um meinen brustkorb, der es mir nicht erlaubt, mich zu bewegen. still laufen erste tränen meine wange hinunter. 'und was, wenn es nie aufhört?' ein strom von emotionen überwältigt mich, lässt mich erzittern, macht mich taub und stumm. 

ich weiß, dass es wieder kommt. ich merke es, an den vorboten, den nebeneffekten. ich isoliere mich beinahe komplett. an diesem punkt sollte mein verstand einsetzen, mich dazu bringen, mir hilfe zu suchen, aber, wie jedes mal zuvor, bin ich über die grenze geschritten, bin bereits zu weit drin, als dass ich diesen zustand von mir aus wieder los werden wollen würde.

ich habe keine ahnung, ob mich irgendjemand von euch da draußen versteht, aber ich versuche, es euch zu erklären: sobald meine depression eine bestimmte stärke erreicht hat, bin ich so sehr davon eingenommen, dass mir jeder versuch, mich jemandem mitzuteilen, um hilfe zu bitten, misslingt. er wird im keim erstickt, beiseite geschoben, denn wenn ich depressiv bin, fühle ich mich wohl in der depression. natürlich ist sie gleichzeitig auch das aller schlimmste der welt für mich, doch das sehe ich nicht. ich weiß es. vom kopf her, ja. ich weiß, dass ich sport machen sollte, mich draußen in der natur aufhalten sollte, mir eine lichttherapielampe kaufen sollte. ich weiß das alles, aber ich kann mich selbst dazu nicht bewegen, bin nicht mehr herr über mich selbst, bin zu unmotiviert, irgendetwas zu tun. und außerdem würde das bedeuten, dass es mir bald vielleicht besser geht. tut mir leid, das ist leider nicht mit meiner depression zu vereinbaren.





Montag, 24. September 2012

liberté toujours

ich weiß nicht, wo ich stehe, weiß nicht wo oben und unten ist, ob die welt kopf steht oder bloß ich selbst. habe mich irgendwie wieder verloren auf diesem weg, kurz vor der zielgeraden. bin ins wanken geraten, bin gestolpert. auch wenn ich nicht falle, will ich lieber gleich liegen bleiben. der welt aus dem weg gehen, dem leben entfliehen.
es ist kampf und krieg und beides scheint verloren, bevor die schlacht überhaupt begonnen hat.
wo ist er hin, dieser optimismus? wo ist sie hin, diese motivation? dieses glück, diese freude, dieses leben. alles scheint verschwunden, eingehüllt in undurchdringbare schwärze. 

ich fühle so wenig, so unglaublich wenig, dass es schon wieder viel zu viel ist. 
geschafft habe ich so viel, doch überwunden fast nichts. eine naive idee, das alles allein in den griff zu kriegen. die symptome verlagern sich, verschwinden vielleicht sogar, doch die gedanken dahinter, die auslöser, sie bleiben dicht an meiner seite, waren still, ja, zumindest eine weile. doch jetzt gerade scheinen sie mich anzuschreien, lauter und lauter.


ich habe das gefühl, dass eine essstörung, eine depression nie wieder komplett verschwindet. man sagte mir einmal, "dass man sich während einer depression nicht vorstellen kann, jemals (wieder) glücklich zu werden."
nun, was soll ich dazu sagen. ich bin nicht mehr in therapeutischer behandlung und bin sicherlich auch lange nicht so depressiv, wie ich es einmal war, und doch, warte ich immer noch auf den moment, an dem ich sagen kann, dass ich glücklich bin. 

ich mag dieses leben einfach nicht. es gefällt mir nicht.




haare ab und neuerdings trage ich sie auch wieder gelockt.
ich möchte wieder abnehmen. ich spreche nicht von untergewicht oder von magersucht. ich möchte bloß wieder meine kleidung tragen können, wieder umherwandern und diese leere im magen spüren, möchte wieder in den spiegel schauen und meine ganze faust zwischen meine oberschenkel bekommen, möchte wieder frieren unter mehreren lagen, möchte wieder verschwimmen mit meiner umwelt, möchte wieder untergehen in der masse, möchte wieder verschwinden. 
okay. ich muss es mir wohl eingestehen. ich wäre gerne wieder magersüchtig. ich vermisse es. ich habe zwar nicht viel von der welt mitbekommen, aber sie hat auch nicht viel von mir mitbekommen.

morgen fange ich an, denn alles, was ich heute noch tun könnte, um dem verfettungsprozess entgegen zu wirken, wäre mir gewaltsam meine magensäure aus dem bauch zu würgen.