(Emelie Sandé - Read all about it Part III)
umgeben
von menschen, die ich liebe, die mich lieben - und doch so allein.
während
die anderen lachen und spaß haben, fühle ich mich, als wäre ich
gar nicht da. ich bewege meine mundwinkel im richtigen augenblick
nach oben, ich gebe antworten auf spärliche fragen, doch ich bin
nicht wirklich dabei, habe eher das gefühl eines außenstehenden
beobachters. es fällt mir zunehmend schwerer, soziale kontakte zu
pflegen. beachtet man, dass ich ebenso wenig neue menschen
kennenlernen kann/möchte/werde, bin ich wohl bald hier ganz allein.
ich verliere nicht nur mich selbst, sondern auch alle anderen um mich
herum. aber wie sollen sie mir auch helfen, mich stützen, wenn ich
doch kein wort sage, über das, was mich bedrückt und darüber, dass
die krankheit wiederkehrt?
manchmal
kommt ein gefühl in mir auf, dass ich nicht in worte fassen kann. es
ist schwere und leere gleichzeitig, der wille voran zu kommen und der
wille so schnell wie möglich zu flüchten. meie gedanken und mein
körper wehren sich gegen die stimme der vernunft, die eigentlich
weiß, was zu tun ist. auch die
magersucht weiß, was zu tun ist. ich komme an einen punkt, an dem
ich noch nie war. nicht die bulimie bringt mir die zweifel, nein, es
ist die unfähigkeit zu essen. ich kann es einfach nicht mehr. mir
wird schlecht nach wenigen bissen, ich bekomme magenschmerzen nach
wenigen kalorien. ich habe nicht einmal mehr appetit und innerlich
feiert die essstörung eine exzessive party, feiert sich selbst und
mich, weil ich mich ihr untergebe, ohne an eine andere möglichkeit
auch nur zu denken. nein, tief in mir drin, freut sich ein teil
meiner selbst sogar darüber. die anorexie ist in meiner gedankenwelt
immer noch so viel positiver sanktioniert, als ein gesunder körper,
als eine gesunde psyche, als der blick in die zukunft.
und
auch, wenn ich noch so viel darüber weiß, ich kann nichts
verändern. vielleicht liegt es auch daran, dass ich so viel darüber
weiß. ich habe das wissen, was die krankheit ist und auch, wie man
dagegen angeht. eigentlich weiß ich ganz genau, was zu tun ist..
ich will nicht mit mitte 20 immer noch hier
sitzen und über mein leben schreiben, als wäre ich selbst eine
schlechte romanfigur, die auf ein happy end wartet, das nie eintreten
wird. aber vielleicht ist das meine bestimmung, vielleicht muss es so
sein. wenn mir doch nur jemand die
verantwortung nehmen könnte über mich und meine zukunft. über mein
leben. jemand, der mich an die hand nimmt, wie ein kleines kind, denn
das bin ich immer noch irgendwo. noch lange bin ich nicht so
erwachsen, wie ich wirke, wie ich vielleicht auch sein sollte, mit
neunzehn einhalb jahren auf dem buckel.
ich weiß nicht, wie es weitergeht, kämpfe mich durch die tage, versuche sie durchzustehen und meine aufgaben zu erfüllen, um dann irgendwann bloß stundenweise schlafen zu dürfen.
ich weiß nicht, wie es weitergeht, kämpfe mich durch die tage, versuche sie durchzustehen und meine aufgaben zu erfüllen, um dann irgendwann bloß stundenweise schlafen zu dürfen.
Ich finde keine Worte, die beschreiben, was ich dir von Herzen wünsche und sagen möchte und es tut mir aus ganzen Herzen Leid, J.
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