Montag, 10. Dezember 2012

I gave away more than I had



 Heaven doesn't seem far away. 
A drop in the ocean, 
A change in the weather, 
I was praying that you and me might end up together. 
It's like wishing for rain as I stand in the desert.
(Ron Pope - Drop in the ocean) 


fühle mich überfordert von den stunden und genervt von den sekunden, finde keinen weg nach draußen, kein wort, was ausdrücken könnte, was ich fühle. bin zurückversetzt in zeiten, in denen es keine hoffnung für mich gab und ebenso wenig eine zukunft. ich möchte zurück in diese zeit, in der es egal war, was ich tat oder nicht, in der nichts wirklich zählte, weil nichts von bestand war und mich alles überlebt hätte.

habe, um diesen tag zu überstehen, konsumiert, gefressen, gebrochen und geschnitten. sitze hier, spüre den pulsierenden schmerz in meinem bein, mit verschleiertem blick, irgendwie eher abwesend als anwesend, weiß nicht, was ich euch mitteilen will geschweige denn, was ich los werden sollte. frage mich bloß, wieso es vor zwei jahren nicht geklappt hat, warum es zu wenige tabletten waren, warum meine leber, mein gesamter körper gekämpft haben, psychisch hatte ich schon längst aufgegeben.
weiß noch viel weniger, wieso dieser einbruch gerade jetzt kommt und was verdammt ich dagegen tun soll, um morgen drei stunden bio klausur hinter mich bringen zu können. wie wäre es mit lernen? das wäre allerdings eine idee, zu deren umsetzung ich nicht mehr in der lage bin. starre still auf den bildschirm, ziehe mir jedes wort einzeln aus dem kopf heraus. ohne sinn und zusammenhang, ohne rechtschreibung und grammatik. stoppe nicht bloß zwischen den sätzen, sondern zwischen jedem neuen wort. fühle mich mehr als fehl am platz, wie ein baum, dem die wurzeln fehlen, der schwankt bei jedem kleinen windhauch. 
ich kann mir nicht selbst helfen, kann nicht gleichzeitig ums überleben kämpfen und mich an den haaren aus dem sumpf ziehen, darf nicht panisch werden, weil es mir schon bis zum hals reicht, muss stark bleiben, einen ausweg finden, eine helfende hand ergreifen. aber es gibt keine helfenden hände, keine medikamente, die meinen druck lindern würden, keine menschenseele, der ich anvertrauen könnte, was in mir tobt. müsste in der lage sein, zu kommunizieren, anstatt zu flüchten, die initiative zu ergreifen, mir hilfe zu holen, anstatt abzuwarten, dass die welt mich verändert. aber ich kann es nicht.
kriege zu wenig sauerstoff, kann meine lungen nicht füllen, kann mein herz nicht antreiben.
kann mir selbst keinen arschtritt geben. 

angst vor mir und dem leben bestimmt mein sein.


Donnerstag, 6. Dezember 2012

all these rainy days are getting on.

ist es normal, kaum noch etwas zu fühlen, außer dem bedürfnis, allein zu sein, während pläne geschmiedet werden, in die ich sogar eingeplant bin? 

es ist schlimmer, als die depression selbst, die mich mit gefühlen und gedanken übermannt hat. diese emotionslosigkeit, egal, ob positiv oder negativ, scheint mich von innen heraus aufzufressen, auszuschlachten, absterben zu lassen. sobald ich morgens aufwache, will ich nichts mehr, als mich bloß wieder hinzulegen, zurück zu der wärme, der dunkelheit, der sicherheit der traumwelt.
ich bin nicht mehr bloß gefühlskalt, sondern bereits annähernd emotionslos, empfinde weder trauer, noch freude. bin überfordert von dem nichts, das nur manchmal von aggression durchbrochen wird. und wut. 
schon beim ersten blick in den spiegel, rinnen mir tränen über's gesicht. nicht etwa, weil ich so 'hässlich' oder 'fett' bin, sondern weil alles wieder zu viel zu werden scheint. die beiden anderen attribute habe ich mittlerweile verinnerlicht, lasse keine (wahres) wort an mich ran, denke, statt zu reden oder zu handeln.


"wenn ich bei dir bin, merke ich jedes mal aufs neue, dass nachdenken in einer beziehung keinen sinn hat."
"wieso?"
"weil es perfekt ist, wenn ich bei dir bin. dann ist mir alles egal."
ich kann nicht antworten, ich kann es nicht. er gibt mir nähe, fürsorge, wärme. all das, was ich so dringend brauche. aber auch mit ihm kann ich nicht reden, kann ihm nicht vertrauen. viel mehr habe ich jedes mal aufs neue angst, wenn er spontan vorbei kommt. er würde mir nichts tun, was ich nicht will, es geht eher darum, dass ich nicht weiß, wie ich mich verhalten soll, was ich sagen soll, ob ich lustig, unterhaltsam und einfach genug bin. niemals, niemals würde ich von mir aus sagen, dass ich ihn sehen will, niemals würde er ein gegenkompliment von mir bekommen, denn da ist dieses schwarze loch, welches alle positiven reaktionen sofort als nichtig und abwertend, als gelogen und geheuchelt abstempelt.
es ging mir nicht gut, die letzten tage und ich hatte mir vorgenommen, ihm davon zu erzählen, vielleicht eine neue sichtweise zu erkennen. stattdessen bleibt mein mund geschlossen, während sich die sätze in meinem kopf formen. 
manchmal, da weiß ich nicht, was ich ausgesprochen und was ich für mich behalten habe, denn es fühlt sich beides so gleich an. manchmal, da habe ich ganze gespräche in meinem kopf, wie es laufen könnte, was ich sagen könnte. 

doch dann fällt mir immer und immer wieder auf, dass es nicht real ist, sondern in meiner persönlichen wirklichkeit gefangen bleibt.






Freitag, 30. November 2012

dress in good conscience

manchmal, da fällt einem auf, dass man sich selbst belügt, dass man nur so tut, als ob. 
wenn ich sage "es geht mir gut.", dann stimmt das nicht komplett, dann ist da immer noch dieser nagende teil in mir, der mich dazu bringt, viel zu wenig zu essen, viel zu sehr an schönheitsidealen hängen zu bleiben, die in wahrheit keine sind. 
stattdessen passt viel eher der ausdruck "ich komme zurecht.", denn das entspricht der wahrheit. es gibt immer noch viel zu oft momente, in denen ich mir wünsche, wieder das klapperdürre skelett zu sein, das ich war. ich erkenne es jetzt und doch strebe ich diesen dämmer zustand immer noch an. nicht wie damals, durch fasten und tägliche brech eskapaden. es ist vielmehr ein unbewusster prozess. ich esse. ich esse auch "hoch kalorische lebensmittel", schoki, chips, käse, popcorn. und doch ist es täglich so wenig, dass ich stetig abnehme. langsam, aber doch merklich.
ich wiege mich nicht mehr, ich schaue nicht mehr stundenlang in den spiegel, aber ich merke, dass mir plötzlich wieder sachen passen, die zu klein geworden waren, dass meine schulterknochen wieder hervortreten und auch, dass die lücke zwischen meinen beinen vorhanden ist und größer wird. 
ich bin weder eine bulimikerin, noch eine magersüchtige. und trotzdem bin ich essgestört.

auch die depression ist weiter anwesend, sitzt irgendwo im hintertürchen. sie flüstert mir keine sätze mehr ins ohr von der sinn-, trost- und motivationslosigkeit. sie lässt es mich bloß merken, dass sie mich nicht verlassen hat, hemmt mich in sozialen kontakten, lässt mich angst haben vor der welt und macht jeden tagesbeginn zur herausforderung. 

mein leben ist ein kampf gegen mich selbst. und immer wieder fällt mir auf, dass ich es nicht mag, zu leben. 

ich sitze vor meinem hausarzt, habe eine akute rachenentzündung und bereits medikamente verschrieben bekommen. er fragt mich nach meinem essverhalten, danach, wie ich klar komme, was ich vorhabe nach meinem abitur und ob ich externe kontrollen meines gewichtes habe. er fragt mich, ob ich therapeutische hilfe in anspruch nehme und wie ich es geschafft habe, aus der essstörung zu finden. ich beantworte alle fragen, mehr oder weniger detailliert, mehr oder weniger positiv gestimmt. doch ich mag ihn und habe trotzdem großen respekt vor ihm und seiner arbeit, nur dieser eine satz, bringt mich wiederum aus meinem inneren gleichgewicht: 
"sie sehen gut as, haben eine richtig schöne figur bekommen."
in meinem kopf beginnt es zu rattern und zu rasen. ich will noch immer nicht gut und gesund aussehen, will wieder krank sein, dem leben aus dem weg gehen. aber es gibt keinen weg daran vorbei.

jetzt, hier, fällt mir ein weiterer satz ein, von ende 2010:
"wenn es so weiter geht, wenn sie weiter keine hilfe annehmen, dann bleibt ihnen nur noch der suizid."
meine antwort darauf? ein starrer blick, ein kopfnicken, ein klares "ja."





Sonntag, 4. November 2012

nicht nur ich selbst, sondern die ganze welt inklusive meiner damaligen therapeutin, hat mir nicht mehr zugetraut, überhaupt irgendwann wieder zur schule zu gehen. 
jetzt bin ich hier, weniger vom abitur entfernt, als jemals zuvor und der druck und die panik steigen wieder. 
zukunftsperspektiven schaffen. - wie soll das gehen, wenn das eigene leben doch weder perspektiven, noch eine zukunft birgt? 

ich weiß, dass ich weg muss. weg aus meiner heimatstadt, meiner gewohnten umgebung. ich weiß einfach, dass ich es machen muss. 
ich hatte schon einmal vor, für ein high school jahr in die USA zu gehen, habe es allerdings auf grund meines ex freundes, kurzfristig wieder abgesagt. 
jetzt steht der plan, die alternative zu einem besseren leben: ich werde nach südamerika gehen.

Mexico City -> Costa Rica -> Kolumbien -> Brasilien -> Argentinien

es ist in planung, nichts steht fest. aber die idee, die hat sich in mir festgesetzt.
genauso, wie eine andere idee. einen psychologie- oder medizinstudiumsplatz auf normalem wege in deutschland zu bekommen, ist mit meinem schnitt und ohne wartesemester, wohl nicht möglich. daher habe ich überlegt, bei der bundeswehr medizin zu studieren. dafür muss man sich allerdings für 17 jahre verpflichten und auch an auslandseinsätzen in krisengebieten teilnehmen.

fragen über fragen, die mich zurück werfen, wieder versteinern, einfrieren. 
gedanklich überzeuge ich mich gerade selbst, dass es der richtige weg ist, körperlich werde ich unbewusst immer weniger und weniger, eine methode, die verantweortung abzugeben.

es ist schwierig, dieses leben.